Puh, der Bär und die Republik der Humanisten

von Prof. Dr. Arnd Diringer

Ein Beitrag aus der Reihe Rechtsgeschichte(n) von Prof. Dr. Arnd Diringer

Dürfen Gerichte eine Verweisung an das „jüngste Gericht“ ablehnen? Handelt es sich bei einem Sportjournalisten um eine Kapazität in Fragen der Grammatik? Wie steht es mit der Rechtschreibkompetenz von Juristen? Und was hat das alles mit „Puh, der Bär“ zu tun? Diese und andere grundlegende Fragen klärte der später als Richter am BAG tätige Christoph Schmitz-Scholemann bereits als Richter am Arbeitsgericht Düsseldorf (Urt. v. 19.12.1984 – 6 Ca 5682/84).

In dem Fall machte die Klägerin einen Anspruch auf Berichtigung des Arbeitszeugnisses geltend. Der Grund: ein „e“ zuviel – jedenfalls nach Meinung der ehemals Beschäftigten. Ihr Arbeitgeber hatte sie in dem Zeugnis wegen ihres „loyalen integeren Verhaltens“ gelobt. Es müsse aber „integren“heißen, meinte sie. Das Wort sei aus der lateinischen Sprache entlehnt und werde im Deutschen den lateinischen Formen entsprechend dekliniert.

Ihr ehemaliger Arbeitgeber hatte dargelegt, dass die von ihm verwandte Schreibweise in der juristischen Literatur und in der Presse generell üblich sei, was durch Einholung eines „demoskopischen Sachverständigengutachtens“ unter Beweis gestellt werden sollte. Zugleich führte er an, dass die Klage ein „Missbrauch der kostbaren Arbeitszeit des Gerichts“ sei.

Dem letztgenannten Einwand wollte das ArbG Düsseldorf „nur insoweit (…) folgen, als bei der gegenwärtigen Belastung der Gerichte für Arbeitssachen die Arbeitszeit des Gerichts in der Tat ein kostbares Gut darstellt.“ Zwar sei „dem Gericht nicht entgangen, daß der Streit der Parteien hier einen Zuschnitt hat, der in den Augen Außenstehender möglicherweise als in gewissem Maße kleinlich oder gar “kleinkariert” erscheinen mag ...

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