AG Bautzen: Freispruch dank Lügendetektor

von Gastautor

Gestern erregte das Urteil in einem Strafverfahren vor dem Amtsgericht Bautzen Aufmerksamkeit: Dem Angeklagten Jens M. wurde Kindesmissbrauch vorgeworfen, er bestritt den Tatvorwurf aber. Eine klassische Aussage-gegen-Aussage-Konstellation also, denn direkte Tatzeugen gab es abgesehen von dem vermeintlichen Opfer nicht. Der Angeklagte wurde gestern freigesprochen. Überraschend war die Vorgehensweise des Richters. Um den Wahrheitsgehalt der Aussage des Angeklagten zu überprüfen zieht er einen sog. Lügendetektor zu Rate, ein Mittel, das sich im deutschen Strafverfahren nicht allzu großer Beliebtheit erfreut. Wahrscheinlich zu Unrecht – denn überlegenere Methoden zur Überprüfung der Erlebnisbasiertheit einer Aussage gibt der aktuelle Stand der Wissenschaft kaum her.

Problematik bei Aussage-gegen-Aussage-Konstellationen

Insbesondere im Sexualstrafrecht sind Aussage-gegen-Aussage-Sitationen sehr häufig. In diesen Konstellationen hängt die Verurteilung des Angeklagten maßgeblich davon ab, wem das Gericht Glauben schenkt. Daher müssen hier die Aussagen des vermeintlichen Opfers einer besonderen Glaubhaftigkeitsprüfung unterzogen werden1, wofür oft als einzige Möglichkeit nur ein aussagepsychologisches Gutachten blieb.

Funktionsweise des Lügendetektors

Bei dem sog. Lügendetektor handelt es sich um einen Mehrkanalschreiber, der während der Aussage bestimmte unbewusste bzw. unwillkürliche Körperreaktionen aufzeichnet. Dazu gehören die elektrische Hautleitfähigkeit an der Hand (aufgrund gesteigerter Schweißdrüsensekretion), die Veränderung von Atembewegungen im Brust- und Bauchbereich und auch Änderungen des ateriellen Blutdrucks. Diese Werte geben einen Hinweis darauf, ob die befragte Person bei der Beantwortung bestimmter Fragen innerlich angespannt oder gelöst war. Es wird hierbei also nur die subjektive Richtigkeit der Aussage überprüft ...

Zum vollständigen Artikel


  • Im Dschungel der Wahrheiten

    sz-online.de - 133 Leser - Ein 44-Jähriger aus Bautzen soll einem neun Jahre alten Mädchen zwischen die Beine gegriffen haben. Um den Fall aufzuklären, setzt das Gericht auf einen Lügendetektor.

  • Im Zweifel für den Polygrafen

    sz-online.de - 38 Leser - Ein Lügendetektor half einem Angeklagten in Bautzen, seine Unschuld zu beweisen. Richter Dirk Hertle schwört auf das Gerät.

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK