Arbeitnehmerhaftung bei „Spoofing-Betrug“

von Wolf M. Nietzer

Der Arbeitnehmer stellt ein kleines Rädchen im unternehmerischen Mechanismus dar. In der Regel besteht ein Missverhältnis zwischen Arbeitslohn und möglichen Schadensersatzansprüchen des Arbeitgebers wegen betrieblichen Fehlverhaltens. Ansprüche dieser Art könnten zum wirtschaftlichen Ruin des Arbeitnehmers führen. Da allerdings selbst den sorgfältigsten Arbeitnehmern Fehler unterlaufen, war es geboten, eine ungeschriebene Haftungsprivilegierung zugunsten der Arbeitnehmer anzunehmen. Der Grundsatz der vollen Haftung aus § 276 BGB schon bei leichter Fahrlässigkeit widerspricht der arbeitsrechtlichen Gefahrenlage. Die Haftungsprivilegierung sieht eine anteilige Arbeitnehmerhaftung vor bei normaler Fahrlässigkeit und eine volle Haftung bei grober Fahrlässigkeit / Vorsatz.

Auch das Landesarbeitsgericht Düsseldorf beschäftigte sich (Urt. v. 29.08.2017, Az. 14 Sa 334/17) mit der Tragweite einer Arbeitnehmerhaftung. Die Arbeitnehmerin war als Kassiererin einer Tankstelle tätig und wurde vor Arbeitsbeginn eingearbeitet. Im Zuge der Einarbeitung wurde sie durch eine Betriebsanweisung informiert, Telefonkarten nicht am Telefon herauszugeben. In der Folge wurde die Kassiererin Opfer eines „Spoofing-Betrugs“. Der Begriff Spoofing bezeichnet eine Technik, die eigene Identität zu verschleiern. Die Arbeitnehmerin erhielt einen Anruf von einem angeblichen Mitarbeiter einer Telefongesellschaft, der sie über eine Systemumstellung informieren wollte, die von einer anderen Firma durchgeführt werden wird. Im Anschluss sollte die Systemumstellung durch einen weiteren Anruf vollzogen werden ...

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