Amtsgericht setzt Lügendetektor ein

von Udo Vetter

Ein Richter am Amtsgericht Bautzen outet sich als Fan einer sehr umstrittenen Methode der Wahrheitsfindung. In einem Missbrauchsprozess setzt er einen Lügendetektor ein. Zur Verhandlung kam eine Rechtspsychologin und schloss den Angeklagten an den Polygrafen an – mit dessen Einverständnis.

Näheres zu dem Fall kann man in der Sächsischen Zeitung nachlesen. Interessant finde ich zunächst die Fotos, welche die Sachverständige mit ihrer Apparatur zeigen. Die Digitalisierung ist bei dieser Expertin offenbar bislang spurenlos geblieben. Und das, obwohl der Polygraf ja eigentlich nur körperliche Befindlichkeiten (Änderungen von Blutdruck, Puls, Hautwiderstand durch Schwitzen, Zittern) in zeitlichen Zusammenhang mit der Aussage einer Person bringt.

Ich sage es mal ganz offen: Der altertümliche Kasten, der da zu sehen ist, würde mich als Verteidiger schon ins Schwitzen bringen, lange bevor mein Mandant an das Gerät angeschlossen ist. Uraltes Equipment – ich gehe vom äußeren Anschein aus – ist gerade bei medizinischen Sachverständigen für mich immer ein Warnsignal. Dafür dass jemand – auch aufgrund seines Expertentums – einem Wissensstand verhaftet sein könnte, der einfach nicht mehr up to date ist.

Dazu kommen rechtliche Bedenken. Der Bundesgerichtshof hat Lügendetektoren über Jahrzehnte hinweg für unzulässig gehalten. Der Polygraf mache den Angeklagten zum bloßen Objekt des Verfahrens. Das Gerät verschaffe (vermeintlichen) Einblick in die Seelenlage eines Menschen. Denn es antworte nicht nur der Mensch, sondern auch das Unbewusste in Form körperlicher Reaktionen. Das sei mit der Menschenwürde nicht vereinbar.

Daran hat sich im Kern auch nichts geändert, auch wenn der Bundesgerichtshof nun wohl nicht mehr davon ausgeht, dass ein freiwilliger Test durch den Angeklagten völlig undenkbar ist ...

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  • Im Dschungel der Wahrheiten

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