Strafrecht-Klassiker: Der Sirius-Fall

von Jannina Schäffer

Manchmal schreibt die Realität die besten Geschichten! Beim sogenannten Sirius-Fall handelt es sich um einen Klassiker in der juristischen Ausbildung, der bereits im ersten Semester in der Strafrechtsvorlesung thematisiert wird. Rechtlich geht es dabei um die Abgrenzung von einer Tötung in mittelbarer Täterschaft und der straflosen Teilnahme am Suizid. Was Viele kaum glauben können: Der Sirius-Fall beruht auf einer wahren Begebenheit.

Der Sachverhalt soll sich folgendermaßen zugetragen haben: Im Jahr 1973 lernte der Angeklagte A in einer Diskothek die 1951 geborene H. kennen, die „damals noch eine unselbstständige und komplexbeladene junge Frau“ war. Zwischen den beiden entwickelte sich eine intensive Freundschaft. Gegenstand der Beziehung waren hauptsächlich Diskussionen über Psychologie und Philosophie. Der Angeklagte A wurde für H zum Lehrer und Berater in allen Lebensfragen. Er war immer für sie da. Sie vertraute und glaubte ihm blindlings.

Im Rahmen ihrer Gespräche überzeugte A die H davon, dass er eigentlich ein Bewohner des Sterns Sirius sei. Die Sirianer seien eine Rasse, die philosophisch auf einer weit höheren Stufe stünden als die Menschen. Er sei mit dem Auftrag auf die Erde gesandt worden, besonders wertvolle Menschen – wie die H – zu finden. Er überzeugte H davon, sie könne die Fähigkeit erlangen, nach ihrem Tode auf einem anderen Himmelskörper weiterzuleben. Dazu soll der ihm bekannte Mönch Uliko sie für einige Zeit in totale Meditation versetzen. Dies würde 30.000 DM kosten. H glaubte A und beschaffte ihm 30.000 DM.

A überzeugte H später außerdem davon, sie könne den versprochenen Erfolg nur erzielen, wenn sie ihren alten Körper vollständig vernichten würde. Als A bemerkte, dass H von der Richtigkeit seiner Erklärungen noch immer völlig überzeugt war, fasste er den Plan, aus ihrem Vertrauen weiteren finanziellen Nutzen zu ziehen. H solle eine Lebensversicherung über 250 ...

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