Rechtsberatung ab sofort auch mit Guiness

von Bernhard Schmeilzl

Die achte Todsünde ist, Iren als Briten zu bezeichnen. Das sind sie nämlich nicht, was man schon unschwer daran erkennt, dass sie den Euro als Währung akzeptiert haben. Auch sonst klinken sich die Iren – anders als die tatsächlichen Briten (inklusive der Nordiren) – in der Regel nicht aus jeder zweiten EU-Richtlinie aus. Beim Thema Erbrecht und Erbscheinverfahren haben allerdings auch die sonst so europafreundlichen Iren kalte Füße bekommen und die EU Erbrechtsverordnung (EU Succession Regulation) rundweg abgelehnt. Diese gilt also auch in der Republik Irland nicht (in England, Wales, Schottland und Nordirland ohnehin nicht).

In der Praxis führt dies dazu, dass immer dann, wenn der Verstorbene irgendwelches Vermögen in Irland besaß (z.B. Bankkonten, Aktiendepots, Immobilien, Firmenbeteiligungen etc), seine Erben ein separates irisches Nachlasszeugnis (Grant of Probate) benötigen, um an das irische Nachlassvermögen zu kommen. Also zusätzlich zum bereits vorliegenden deutschen, österreichischen oder französischen Erbschein. Die Vorteile des Europäischen Nachlasszeugnisses kann man somit in Bezug auf die Republik Irland leider nicht nutzen. Mehr dazu hier aus britischer Sicht, die hier aber ausnahmsweise auch für Irland gilt.

Deshalb erhält unsere auf deutsch-britisches und deutsch-amerikanisches Recht spezialisierte Anwaltskanzlei auch häufig Anfragen zu irischen Erbfällen und Nachlassverfahren. Der Klassiker ist: Die Erben eines deutschen oder österreichischen Erblassers, der auch Vermögen in Irland hatte rufen bei uns an und schildern ganz empört, dass die freche irische Bank bzw. Versicherung das Geld nicht auszahlt, sondern einen Erbschein nach irischem Recht verlangt, obwohl doch alles völlig unstreitig sei und man den deutschen (bzw. österreichischen) Erbschein längst vorgelegt habe, sogar in beglaubigter Übersetzung und mit Apostille.

Nun, die freche irische Bank hat leider Recht ...

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