Anwaltspflichten bei Kanzleiabwesenheit: Gastbeitrag von Tanja Klein aus der NJW 34/2017

Welche organisatorischen Vorkehrungen muss der Anwalt treffen, wenn der Jahresurlaub bevorsteht oder er erkrankt ist? Der folgende Beitrag erläutert anhand gängiger Konstellationen mögliche Haftungsfallen und wie man sie vermeidet.

Grundsätzlich gilt: Auch Anwälte dürfen ihre Kanzlei über einen längeren Zeitraum alleine und den Kanzleibetrieb ruhen lassen. Um keinen Haftungsfall zu er­zeugen, sollte man jedoch organisatorisch sowohl vor Urlaubsantritt als auch dann, wenn sich eine Krankheit ankündigt, einiges beachten.

Vorkehrungen zur Fristwahrung

Steht der wohlverdiente Jahresurlaub oder ein anderes vorhersehbares Ereignis (etwa ein geplanter medizinischer Eingriff) unmittelbar bevor und können fristgebundene Schriftsätze bis dahin nicht mehr fertiggestellt werden, ist der Rechtsanwalt verpflichtet, durch einen rechtzeitig gestellten Antrag auf Fristverlängerung dafür Sorge zu tragen, dass ein Wiedereinsetzungsgesuch nicht notwendig wird (vgl. BGH, NJW 2013, 3181). Soweit er einen notwendigen Fristverlängerungsantrag etwa vor Urlaubsantritt nicht mehr selbst stellen kann, hat ein Anwalt im Rahmen seiner Organisationspflichten grundsätzlich auch dafür Vorkehrungen zu treffen, dass ein Vertreter während seiner Abwesenheit die notwendigen Prozesshandlungen fristgerecht vornimmt. In einer Sozietät mit mehreren Anwälten kann ein Vertreter meist unproblematisch benannt werden. Schwieriger verhält es sich jedoch bei Einzelanwälten. Doch auch hier kann die Benennung eines Vertreters unausweichlich sein. Gemäß § 53 BRAO ist bei Abwesenheiten von mehr als einer Woche die Bestellung ­eines Vertreters zwingend. Der Anwalt kann einen geeigneten Vertreter selbst auswählen und der Kammer anzeigen. Zudem sollte sichergestellt werden, dass die Mandantschaft Kenntnis von der längeren Kanzleiabwesenheit erlangt und sich in dringenden Fällen an den Vertreter wenden kann ...

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