Würgungs-Fall

A. Sachverhalt

Das Landgericht hat den Angeklagten wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit versuchtem Diebstahl zu einer Freiheitsstrafe von neun Jahren verurteilt.

Nach den Feststellungen war er in die Wohnung einer Hausmitbewohnerin eingedrungen, um dort zu stehlen. Als die Frau auf ihn aufmerksam wurde, entschloss er sich, sie zu töten, um sie als Zeugin auszuschalten und – wenn auch ohne Beute – entkommen zu können. Er stach deshalb mit direktem Tötungsvorsatz zunächst mit einem Messer auf sie ein. Als die Frau sich trotz der Stichverletzungen gegen ihn wehrte, würgte er sie bis zur Bewusstlosigkeit. Dann ließ er aber aus nicht geklärten Gründen von ihr ab. Er wusste dabei nicht, ob sie tot oder jedenfalls so schwer verletzt war, dass sie – ohne ihn belasten zu können – an den Folgen der Verletzungen sterben werde. Er rechnete aber mit dieser Möglichkeit und flüchtete, ohne sich weiter um sein Opfer zu kümmern. Die Frau überlebte.

B. Worum geht es?

Nach § 24 I 1 StGB wird wegen Versuchs nicht bestraft, wer freiwillig die weitere Ausführung der Tat aufgibt oder deren Vollendung verhindert. Bekanntlich differenziert § 24 I 1 StGB damit zwischen dem unbeendeten Versuch (1. Alt.) und dem beendeten Versuch (2. Alt.).

Diese Unterscheidung ist von erheblicher Relevanz: Während im Fall eines unbeendeten Versuchs zur Straflosigkeit des Täters bereits die freiwillige Aufgabe einer weiteren Tatausführung genügt, verlangt das Gesetz bei einem beendeten Versuch ein aktives Handeln des Täters zur Abwendung des Erfolgs.

Unbeendet ist der Versuch, wenn der Täter noch nicht alles getan hat, was nach seiner Vorstellung zur Herbeiführung des tatbestandlichen Erfolgs erforderlich war; der Täter hält sein Tun also nicht ausreichend ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK