Der Befunderhebungsfehler eines Augenarztes im Wochenendnotdienst

Henning Doth

Sieht ein Augenarzt im Bereitschaftsdienst am Wochenende davon ab, den Patient persönlich zu untersuchen, und beschränkt sich stattdessen auf die telefonische Empfehlung, am darauffolgenden Werktag den örtlichen Facharzt aufzusuchen, kann darin ein Versäumnis gesehen werden, das die Beweislast zu Gunsten des Patienten umkehrt.

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes greift eine Beweislastumkehr zugunsten des Patienten bezüglich der Ursächlichkeit der Verletzung der Befunderhebungspflicht für den Primärschaden ein, wenn behandlungsfehlerhaft medizinische Diagnosebefunde nicht erhoben wurden, die Erhebung mit hinreichender Wahrscheinlichkeit ein aus medizinischer Sicht reaktionspflichtiges Ergebnis erbracht hätte und sich das Unterlassen einer Reaktion auf einen derartigen Befund als grober Behandlungsfehler darstellen würde.

Allerdings kann ein Arzt der Beweislastumkehr wegen eines sog. Befunderhebungsfehlers durch den Nachweis entgegentreten, der haftungsbegründende Kausalzusammenhang zum Primärschaden sei ausgeschlossen oder zumindest „äußerst unwahrscheinlich“. Dabei wird die Möglichkeit eines Behandlungserfolgs bzw. eine Erfolgschance von 10% und mehr nicht als „äußerst unwahrscheinlich“ angesehen.

Der vom Gericht bestellte Sachverständige stellte klar, dass er keine konkreten Anhaltspunkte dafür sehe, dass die Erkrankung bei der Patientin einen günstigeren Verlauf genommen hätte, wenn bereits einen Tag zuvor eine auf das betreffende Krankheitsbild bezogene Therapie begonnen worden wäre ...

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