Kiffen auf Rezept?

von Isabella Beer

Heim­lich, still und lei­se hat ei­ne Vor­schrift Ein­zug ins Ge­setz ge­fun­den, die es schwer kran­ken Pa­ti­en­ten er­mög­licht, Can­na­bis zur Lin­de­rung ih­rer Schmer­zen qua­si auf Re­zept für den Ei­gen­be­darf zu er­hal­ten. Die­ser Neu­re­ge­lung wa­ren zwei Ur­tei­le des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vor­aus ge­gan­gen.

Die Ur­tei­le von 2005 und 2016

Be­reits 2005 hat­te das Ge­richt ent­schie­den, dass der Be­zug be­stimm­ter Cannabis- Prä­pa­ra­te für schwer kran­ke Pa­ti­en­ten mög­lich sein muss. Im Ur­teil führ­te es aus, dass das Grund­recht auf Le­ben und kör­per­li­che Un­ver­sehrt­heit so­wie die Ach­tung der Men­schen­wür­de es ge­bie­ten, schwerst kran­ken Men­schen ein selbstbe-​stimmtes und men­schen­wür­di­ges Le­ben zu er­mög­li­chen. Men­schen, die dau­er­haft un­ter schwe­ren Schmer­zen lei­den, soll ei­ne The­ra­pie mit Can­na­bis ge­stat­tet wer­den, wenn es ei­ne ge­wis­se Lin­de­rung der Krank­heit ver­spricht.

Wört­lich hieß es im Ur­teil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts (BVerwG, Ur­teil vom 19. Mai 2005 – 3 C 17/04 –, BVerw­GE 123, 352 – 362): „Nach Art. 2 Abs. 2 Satz 1 GG hat je­der das Recht auf Le­ben und kör­per­li­che Un­ver­sehrt­heit. Die­ser Be­stim­mung kommt im Wer­te­ho­ri­zont des Grund­ge­set­zes ei­ne gro­ße Be­deu­tung zu. Le­ben und kör­per­li­che Un­ver­sehrt­heit sind in wei­ten Be­rei­chen ele­men­ta­re Vor­aus­set­zung für die Wahr­neh­mung der üb­ri­gen Grund­rechts­ge­währ­leis­tun­gen. In das Recht auf kör­per­li­che Un­ver­sehrt­heit kann nicht nur da­durch ein­ge­grif­fen wer­den, dass staat­li­che Or­ga­ne selbst ei­ne Kör­per­ver­let­zung vor­neh­men oder durch ihr Han­deln Schmer­zen zu­fü­gen ...

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