Hat sich der Vorsatz des Täters bei den sogenannten Distanzfällen trotz fehlender sinnlicher Wahrnehmung hinreichend auf das anvisierte Opfer konkretisiert?

Überblick

Der vorliegende Meinungsstreit beschreibt Situationen, in denen der Täter sein Opfer optisch nicht individualisieren kann, da er es aus der Ferne, in der Regel mit Sprengfallen oder mittels Gift töten will (Distanzfälle). Wird statt des anvisierten Opfers ein anderer betroffen, stellt sich die Frage nach der Strafbarkeit des Täters.
Auch hier liegt dem Grunde nach die Situation der aberratio ictus vor, sodass auf der ersten Stufe der Prüfung der obige Meinungsstreits herangezogen werde kann.
Nach der dortigen Gleichwertigkeitstheorie, die die Fälle der aberratio ictus denen des unbeachtlichen error in persona gleichstellt und hinsichtlich des Tötungsvorsatzes in Bezug auf das letztlich betroffene Opfer auf eine Individualisierung verzichtet, führt ein Fall der aberratio ictus – wie auch der des error in persona – bezüglich des Betroffenen zur Strafbarkeit des Täters aus dem vollendeten Vorsatzdelikt, hinsichtlich des anvisierten Opfers entsprechend aus Versuch.
Nach der Konkretisierungstheorie muss der Täter, um das Opfer vorsätzlich zu töten, dieses auch sinnlich wahrnehmen und konkretisieren, was bei der Situation einer aberratio ictus, bei der das Opfer versehentlich getroffenen wird, gerade nicht der Fall ist. Daher kommt nur eine Strafbarkeit aus einem Fahrlässigkeitsdelikt in Betracht, sowie eine Strafbarkeit aus Versuch hinsichtlich des anvisierten Opfers.
Da im Rahmen der Gleichwertigkeitstheorie auch bei Distanzfällen ein unbeachtlicher error in persona angenommen wird, spielt der Meinungsstreit allein im Lager der Konkretisierungstheorie eine Rolle.
Wenn man sich auf der ersten Prüfungsebene der Konkretisierungstheorie angeschlossen hat, ist auf einer zweiten Ebene zu prüfen, wie die Distanzfälle zu behandeln sind, da der Täter sein Opfer aufgrund der Distanz sinnlich nicht wahrnehmen und konkretisieren kann.

1. Ansicht - aberratio-ictus-Lösung ...

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