Neues vom Glossator 4: Über Bestellung, Herkunft und Provokation der Glossen

1.

Die eifrigste Bestrebung der Kinder besteht darin, so hat es zumindest Sigmund Freud einmal behauptet, „zu erfahren, was die Eltern miteinander tun, woraus dann die Kinder werden.“ Was treibt die Kinder in die Welt? Haben die Kinder Juristen als Eltern, dann dürften sie bald eher nach den Gründen als nach dem Treiben fragen.

Ein vergleichbares Bestreben gibt es auch bei Texten. Wie kommen sie in die Welt, was treibt sie hinein, was sind ihre Gründe? Oft fragt man das nicht. Manchmal aber, etwa wenn der Text einen aufregt oder erregt, dann fragt man schon eher nach dem Grund des Textes. Man kann das ab und an auch auf dem Verfassungsblog beobachten. Ich möchte darum auf drei Textgründe zu sprechen kommen, die Bestellung, die Herkunft und die Provokation.

2.

In einem Kommentar von letzter Woche suggerierte ein Kommentator, die Texte auf dem Verfassungsblog könnten „bestellt“ werden. Texte können bestellt werden.

Bestellen ist ein technischer Begriff des Pfandrechts (§ 1205 BGB). Der Kommentator hat den Begriff aber eher untechnisch verwendet. In diesem Sinne ist es ein üblicher Begriff der Kaufmannsprache und auch so noch im bürgerlichen Recht angesiedelt. Die Bestellung ist in diesem Sinne Teil des Schuldrechts, in der Regel eines Kaufvertrages. Technisch betrachtet handelt es sich um ein Angebot, also um eine einseitige Willenserklärung.

So werden manchmal, man glaubt es kaum, juristische Texte bestellt, zum Beispiel bei Gutachten. Nanu, wird sich der Kommentator letzte Woche vielleicht gefragt haben, wer sollte denn solche Glossen bestellen? Gute Frage. Ich würde sagen, Texte von Glossatoren werden nie wirklich bestellt.

3.

Anders als das bürgerliche Recht ist das öffentliche Recht in traditionellen Bereichen der Herrschaft angesiedelt. Hier fragt man nicht, wer einen Text bestellt hat ...

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