Neues vom Glossator I: Wozu Glossatoren?

Seit einiger Zeit kommentiere ich auf Facebook, jeden Morgen. Warum? Ich bin Jurist, ich muss das tun. Die Welt ist im Fall, also muss man kommentieren.

Ich bin nicht allein. Alle kommentieren, zumindest alle, die auf Facebook sind. Dies und das und das auch noch. 'Nimm das'. 'Willst Du damit sagen, dass ich ein Idiot bin?' – das sind typische Satzgesten in dieser Welt. Der Kommentar ist von Schlamm durchsetzt und die SPD hat ein Gesetz entworfen, damit sich die Netzwerke gegen den Schlamm durchsetzen. Oder damit sich das Gesetz gegen die Netzwerke durchsetzt. Oder damit sich das Gesetz vernetzt. Darum wird gerade gestritten, auch in Kommentaren auf Facebook.

Es gibt politische Bewegungen, die scheinen aus dem Geist des Kommentierens geboren worden zu sein. Warum zum Beispiel wird bei einer Partei, die die Alternative im Titel trägt (wie einst der Alternativkommentar), dauernd darum gestritten, wer eigentlich was gesagt hat und wie man es in Wirklichkeit verstehen musste? Schießbefehl? Juden? Schandmal? Das ist kommentiert und wird kommentiert. Die Welt ist aus den Fugen und der Kommentar ist ein Text mit Fugen. Kommentare sind nicht monographisch, sie sind stereographisch. Das gibt es schon mal Krach.

So habe ich mir das nicht gedacht, ich wollte doch kommentieren. Die Dinge sind nicht mehr das, was sie mal waren und sie sind jetzt das, was sie früher nicht waren. Früher war Kommentieren eine juristische Praxis. Sie hat Recht erklärt und damit Recht reproduziert. Heute ist Kommentieren eine juridische Praxis. Sie sieht dem Recht ähnlich, macht etwas wie das Recht. Vielleicht reproduziert sie auch damit noch Recht. Aber es ist so ordinär und gemein. Regressiv, repressiv, hyperaktiv und manisch, eine narzisstische Spiegelung – das alles sagt zu Beispiel Ino Augsberg über die Welt der blökenden Kommentare. Klingt so, als seien die Kommentare ‚glossy‘, aber eben nur ‚glossy‘ ...

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