Wo steht eigentlich die doppelte Staatsbürgerschaft?

von Roman Kaiser

Spätestens seit dem türkischen Verfassungsreferendum ist die Diskussion über die doppelte Staatsbürgerschaft neu entbrannt – Zeit zu fragen: Wo steht eigentlich die doppelte Staatsbürgerschaft? Dabei müssen drei Fälle unterschieden werden, die zur Mehrstaatigkeit führen können.

1. Kinder aus gemischt-nationalen Elternbeziehungen

Im deutschen Staatsangehörigkeitsrecht gilt grundsätzlich das Abstammungsprinzip (ius sanguinis), wonach es für den Erwerb der Staatsangehörigkeit durch Geburt auf die Staatsangehörigkeit der Eltern ankommt. Dabei reicht es nach § 4 Abs. 1 StAG aus, wenn ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt. In der Folge ist es möglich, dass ein Kind über einen Elternteil die deutsche und über den anderen Elternteil eine andere Staatsangehörigkeit erhält und damit von Geburt an über eine doppelte Staatsbürgerschaft verfügt. Hat ein Kind z.B. eine deutsche Mutter und einen türkischen Vater, erhält es die deutsche und die türkische Staatsangehörigkeit.

2. In Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern

Zum 1.1.2000 wurde teilweise das Geburtsortsprinzip (ius soli) in das StAG eingeführt. Nach § 4 Abs. 3 StAG erwerben nun Kinder ausländischer Eltern durch Geburt die deutsche Staatsangehörigkeit, wenn sie in Deutschland geboren werden und zu diesem Zeitpunkt mindestens ein Elternteil sich seit acht Jahren rechtmäßig in Deutschland aufhält und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt. Unter den Voraussetzungen dieser Vorschrift erhalten demnach Kinder türkischer Eltern von Geburt an die deutsche Staatsangehörigkeit – und über ihre Eltern die türkische Staatsangehörigkeit. (Zudem konnte sich, wer am 1.1.2000 noch nicht zehn Jahre alt war, gemäß § 40b StAG bis Ende 2000 einbürgern lassen, wenn bei seiner Geburt diese Voraussetzungen vorlagen.)

Dieser ius-soli-Erwerb ist der politisch umstrittene Fall der doppelten Staatsbürgerschaft ...

Zum vollständigen Artikel


Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK