FG Hamburg: Wenige Arbeitstage einer Prostituierten legen effektive Zeitnutzung durch größere Anzahl von Freiern an den Arbeitstagen nahe

von Thomas Rader

Das Finanzgericht Hamburg trifft Feststellungen zur Arbeitssituation und den durchschnittlichen Einnahmen einer Laufhaus-Prostituierten. Ein Entgelt von 130 € pro Kunde stellt dabei einen durchschnittlichen Wert dar. Darüber hinaus liegt es nahe, dass eine Prostituierte, die nur an wenigen Tagen arbeitet, die Zeit an den Arbeitstagen dadurch effektiv nutzt, dass sie eine größere Anzahl von Freiern bedient.

FG Hamburg 2. Senat, Urteil vom 16.11.2016, 2 K 110/15

Dem Urteil des Finanzgerichts gingen Schätzungsbescheide des Finanzamtes voraus.

Auszüge aus dem Urteil:

“Am 26. Mai 2015 hat die Klägerin Klage erhoben. Sie hält auch die geänderte Schätzung für überhöht. In 2007 und 2008 habe sie nur an den Wochenenden gearbeitet. Drei Gäste pro Tag seien zu hoch angesetzt, ebenso wie der Umsatz von 160 € pro Kunde. Unberücksichtigt bleibe, dass eine Konkurrenzsituation mit sog. Flatrates-Betrieben wie C oder D bestanden habe, die die Preise beeinflusst habe. Eine sexuelle Dienstleistung könne schon für 30 € bis 50 € erbracht werden (Beweis: Zeugnis E und F). Der Beklagte berufe sich insoweit undifferenziert auf pauschale Angaben eines Milieubeamten. Die Tagesmiete habe ausweislich einer Bestätigung des damaligen Geschäftsführers der Laufhauses in den Jahren 2007 bis 2010 tatsächlich 140 € betragen (eidesstattliche Versicherung des G).”

[…]

” Angesichts der Mietabrechnungen aus 2011 dürfte die Klägerin tatsächlich aber wohl nicht in jedem Jahr einen vierwöchigen Urlaub gemacht haben, vielmehr ergaben sich für 2011 nur 12 Urlaubstage ...

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