Anja’s Stütze

Der einzige wirklich sichere Tipp, den man einem Beschuldigten im Strafverfahren geben kann, ohne Details über den Fall zu kennen, ist:

Keine Aussage machen. Schweigen. Gar nicht erst zur Polizei gehen.

Sicherlich mag es Fälle geben, in denen man den Tatverdacht durch eine kurze Stellungnahme blitzschnell und ohne Anwalt zerstreuen kann. Und sicherlich sind die meisten Kriminalbeamten auch ganz nette Menschen, die einem persönlich nichts Böses wollen und keine hinterlistigen Fangfragen stellen. Wieso also nicht einfach zur Beschuldigtenvernehmung gehen und kurz erläutern, was Sache ist?

Die Erklärung, wiederum in Kurzform:

Wer nichts sagt, kann auch nichts Falsches sagen.

Jeder Strafverteidiger hat unzählige Beispiel dafür auf Lager, dass Reden nur Silber, Schweigen aber Gold ist. Das fängt an bei Klassikern der Selbstbelastung wie „Ich bin extra ausgestiegen um nachzuschauen, aber weil’s dunkel war habe ich den Kratzer am andern Auto wohl nicht gesehen und bin dann weggefahren“ und hört auf bei geistigen Meisterleistungen der Alibi-Dichtkunst, mit denen viel schwerwiegendere Straftaten eingestanden werden als die, wegen der man gerade Rede und Antwort steht.

Was Viele nicht wissen: auch Zeugen sind nicht verpflichtet, bei der Polizei zu erscheinen oder eine Aussage zu machen – und wenn die Vorladung noch so gebieterisch formuliert ist.

Dennoch empfinden es viele Zeugen als staatsbürgerliche Pflicht, der Polizei bei der Aufklärung von Straftaten unter die Arme zu greifen. Dagegen ist in den meisten Fällen sicher auch nichts einzuwenden. Wenn ein unverfänglich plaudernder Zeuge allerdings auf einen misstrauischen Vernehmungsbeamten mit Jagdhundambitionen trifft, kann er aber auch schnell selbst zum Beschuldigten werden.

Genau das ist leider einem meiner Mandanten widerfahren, der als Zeuge zu einem Diebstahl befragt wurde ...

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