Rechtsanwalt ist Scheckbetrügers Liebling

von Bernhard Schmeilzl

Ein typisches Beispiel aus der Anwaltspraxis

Es beginn wie eine normale Mandatsanfrage: “Lieber Herr Rechtsanwalt, ein Herr X schuldet mir Betrag Y aus Darlehensforderung (o.a.). Bitte mahnen Sie ihn an.” Meist ist der Herr X entweder im Ausland oder der Mandant bittet darum, ihn per eMail zu kontaktieren, weil das schneller geht.

Zum Erstaunen des Anwalts reagiert der angebliche Schuldner sofort, gibt sich schuldbewusst, devot und reuig und kündigt sofortige Zahlung der Verbindlichkeit an, inklusive der Anwaltsgebühren. Hier ein reales Beispiel aus unserer Kanzleipraxis.

Der Anwalt freut sich über das schnell verdiente Honorar und ist stolz, das sein anwaltliches Mahnschreiben den Gegner so beeindruckt hat, dass dieser sofort nachgibt. Allerdings zahlt der angebliche Schuldner per Auslandsscheck, aber das macht ja nichts. Die Bank des Anwalts schreibt den Scheck auf dem Kanzleikonto gut. Der Rechtsanwalt verrechnet sein Honorar und überweist die Differenz an den Mandanten, der meist auch im Ausland sitzt. Akte geschlossen, Kanzleiumsatz gesteigert. Oder?

Honorarfalle Auslandsscheck

Leider nicht, denn was der Anwalt hier übersehen hat ist, dass Auslandsschecks bis zu 180 Tage lang oder länger (je nach Land) nur unter dem Vorbehalt endgültiger Deckung gutgeschrieben sind. Anders formuliert: Auslandsschecks sind quasi Darlehen der eigenen Bank und können noch Monate später platzen. Dann ist der “Mandant” natürlich längst über alle Berge. Hat der Anwalt das Geld zwischenzeitlich ausgeschüttet oder verbraucht, haftet er seiner eigenen Bank auf Rückzahlung. Das steht in den Banken-AGB und wenn man Glück hat, weist der Bankangestellte bei der Einlösung des Auslandsschecks auch nochmals darauf hin. Aber eben nicht immer. Fundierte Informationen zum Thema Auslandsschecks und Bankrecht findet sich in diesem Infoblatt der HypoVereinsbank: Wissenswertes über Auslandsschecks ...

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