Rezension: „Cyber“-War – Testfall der Staatenverantwortlichkeit

von Dr. Benjamin Krenberger

Rezension: „Cyber“-War – Testfall der Staatenverantwortlichkeit

Schulze, „Cyber“-War – Testfall der Staatenverantwortlichkeit, 1. Auflage, Mohr Siebeck 2015

Von Dr. Matthias C. Kettemann, LL.M. (Harvard), Frankfurt am Main

Von Estland 2007 und Georgien 2008 über Iran im Jahr 2010 bis hin zu den rezenteren Attacken auf die Server des Nationalkomitees der Demokratischen Partei der USA oder der Angriff gegen Yahoo im August 2013, bei dem 1 Milliarde persönliche Daten erbeutet wurden: Cyberattacken sind zu einer ernsthaften Bedrohung für die (inter)nationale Sicherheit und zur Herausforderung für das Vertrauen der Internetnutzerinnen und -nutzer geworden. Sie können in den zunehmend vernetzen Gesellschaften enorme Schäden anrichten. Durch Nutzung ziviler Infrastruktur sind sie häufig nicht zu entdecken, bis es zu spät ist. Immer mehr Staaten und nichtstaatliche Akteure bekennen sich zu (pro)aktiver Cyber-Sicherheit als Gegenwicht zu wachsenden Cyber-Bedrohungsszenarien.

Vor diesem Hintergrund legt Sven-Hendrik Schulze eine kluge Studie zu „[der] Angriffsform der heutigen Zeit“ (224) vor. Etwas irritiert sein Titel. Über Cyberwar wird und wurde viel geschrieben. Locus classicus sind die konkurrierenden Werke von T. Rid und J. Stone im Journal of Strategic Studies. Rid war sich sicher: “Cyber War will not take place” (Journal of Strategic Studies (2011) 35: 1, S. 5-32); Stone konterte “Cyber War will take place” (Journal of Strategic Studies (2012) 36: 1, S. 101-108). Auch der Talinn Manual Process hat ausführlich die Normen der Cyberkriegsführung untersucht (und die Anwendung wesentlicher Teile des humanitären Völkerrechts auf den Cyberkrieg bejaht).

Wer allerdings eine Studie über Cyberkrieg im engeren Sinne erwartet, wird enttäuscht (und daher positiv überrascht) ...

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