Gesocks verteidigt Gesocks

von Thomas Wings

Da ging es mal hoch her beim Amtsgericht in einem eigentlich nicht sonderlich spektakulären Verfahren. Angeklagt war ein Vorfall im Rahmen einer Auseinandersetzung zwischen einem Schalkefan und der Polizei. Das Geschehene war relativ eindeutig. Außerdem war Aktenbestandteil ein Video von Tatvorgeschehen. In der rund einminütigen, sehr bemerkenswerten Sequenz sieht man unter anderem sehr anschaulich das extrem rüde Vorgehen der Polizei, die Stunden nach einem Spiel in Robocopanzügen eine Fankneipe umstellen, niemand herausgelassen wird und folglich niemand heraus kann und ein Polizist über den gesamten Zeitraum der Sequenz Pfefferspray in den geschlossenen Raum sprüht. Die Szene, die ich leider nicht veröffentlichen darf, erinnert an einen Kammerjäger, der auftragsgemäß Ungeziefer vernichten will. Einen polizeilichen Sinn kann man in dieser Aktion nicht erkennen, vor allem kein pfeffersprayimmanentes “auf Distanz halten”, denn die in dem Lokal Eingeschlossenen können sowieso nicht raus. Aber man ahnt es schon, dieser Teil stand nicht zur Anklage, sondern ein Vorwurf gegen einen Fan.

Der Mandant war von Anfang an geständig und auch nicht vorbestraft. Dennoch hatte ich mir den deutlichen Hinweis darauf nicht verkneifen können, wie unverhältnismäßig, wie rechtswidrig, wie brutal hier die Polizei vorging und dass dagegen der Vorwurf gegen den Mandanten geradezu harmlos ist. Meine rhetorische Frage, wieviel Tagessätze der Kammerjäger denn bekommen habe, wurde bewusst überhört. Stattdessen folgte eine Tirade gegen Fußballfans im Allgemeinen. Die Attacken der Polizei, obwohl für jeden Betrachter des Videos deutlich erkennbar, waren egal, stattdessen zeigte man sich deutlich genervt vom Fußball und seinen Anhängern. Dabei wurden natürlich schön generalisierend wirklich alle in einen Topf geworfen. Die Ansprache gipfelte dann in der Äußerung “Für mich sind alle Fußballfans Gesocks“ ...

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