Interview: Wirtschaftsmediation im Focus

Marie-Agnes Arlt im Interview

„Ein Konflikt ist die Antwort auf eine Frage, die wir noch nicht kennen“, so Rechtsanwältin und Wirtschaftsmediatorin Dr. Marie-Agnes Arlt

Die Zeitungen sind voll mit Berichten über Wirtschaftsmediation, gerade in Deutschland – ist das ein Trend?

Wirtschaftsmediation ist im Trend, aber es ist sicherlich keine Modeerscheinung. In Deutschland hat sich die Wirtschaftsmediation in den letzten Jahrzehnten herausgebildet und ist in den letzten Jahren massiv gewachsen. Die Wirtschaftsmediation ist dort kein neues Konfliktlösungsmodell, sondern eine ernstzunehmende Alternative für Konfliktbeilegung. Das Einsatzgebiet von Wirtschaftsmediation ist sehr vielfältig: Es betrifft klassisch juristische Streitigkeiten, die ansonsten in ein Gerichtsverfahren führen, aber auch nichtjuristische Auseinandersetzungen sind Gegenstand von Wirtschaftsmediationen. Zu denken ist an Streitigkeiten innerhalb eines Unternehmens, etwa zwischen Abteilungen oder auch deren Leitern, die zu immer wiederkehrenden Konflikten führen, oder zum Beispiel bei Allianz-Streitigkeiten im Zusammenhang mit Syndikatsverträgen, die man nicht unbedingt in der Zeitung lesen will. Natürlich eignet sie sich besonders in Familienunternehmen. Die Rollen, die in einer Familie gelebt werden, verwachsen teils mit den Rollen im Unternehmen. Das führt notgedrungen zu Konfliktpotenzial: Es spricht im Unternehmen nicht ein Geschäftsführer mit dem anderen, sondern etwa in Streitgesprächen immer wieder die Mutter mit dem Sohn. Dieser Rollenverteilung darf im Unternehmen aber kein (kaum) Platz gelassen werden. In Österreich ist die Wirtschaftsmediation sicher keine neue Erscheinung, allerdings ist sie nicht so außenwirksam und populär wie in Deutschland. Das sollte sich ändern.

Könnte man die Mandanten auch als Erklärung dieses Trends als streitmüde bezeichnen?

Ich würde nicht sagen, dass die Mandanten streitmüde sind ...

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