Rezension: Politische Anwälte?

von Dr. Benjamin Krenberger


Seliger, Politische Anwälte? Die Verteidiger der Nürnberger Prozesse, 1. Auflage, Nomos 2016


Von Dr. Sebastian Felz, Köln




Schon ein erster Blick in diese Dissertation ist vielversprechend, denn die Quellenbasis dieser Arbeit ist beeindruckend. Der Augsburger Historiker Hubert Seliger hat 54 (!!!) Archive besucht und dort Archivalien ausgewertet, darunter sieben Archive in den USA. Schon diese Aufzählung ist außergewöhnlich. Sie lässt für die 533 Seiten der Darstellung viel erhoffen.


Als „politische Anwälte“ in Anlehnung an Otto Kirchheimer möchte der Autor einen Teil der Anwälte in Nürnberg analysieren. Kernthema dieser Untersuchung sei es nicht, eine rechtsgeschichtliche Darstellung prozessualer und materialrechtlicher Herausforderungen aus Verteidigersicht vorzulegen. Seliger geht es vielmehr um die politischen Akteure, die in der Transitionsphase der Nachkriegszeit, die Deutungskämpfe um diese Verfahren in der geschichtlich aufgeladenen Stadt Nürnberg aufnahmen. Es geht um „Vergangenheitspolitik“: Welche Personen waren integrierbar in die post-nationalsozialistische Gesellschaft? Welche Worte und Begriffe der letzten zwölf Jahre waren noch sagbar? Seliger definiert den „politischen Anwalt“ wie folgt:


„Jemand ist dann politischer Anwalt […], wenn er im Rahmen eines juristischen Verfahrens Aussagen über die vergangene oder gegenwärtige politische Ordnung trifft, die über das reine Mandanteninteresse an einer effektiven Strafverteidigung oder Prozessvertretung hinausgehen, also Aussagen im Spiel sind, die nicht mehr nur die Kontextualisierung der konkreten Taten des Angeklagten oder eine konkrete Rechtsposition betreffen, sondern einen Beitrag zum ‚Kampf um die rechte Ordnung‘ liefern“ ...

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