Mehrjährige krankheitsbedingte Ausfallzeit: Angabe im Zeugnis zulässig!

von Dr. Nicolai Besgen

Mehrjährige krankheitsbedingte Ausfallzeit: Angabe im Zeugnis zulässig! LAG Hessen, Urteil v. 02.02.2015 - 16 Sa 1387/14

Über den Inhalt von Arbeitszeugnissen kommt es in der Praxis immer wieder zu Streit. Oftmals beruft sich der Arbeitgeber auf den Grundsatz der Zeugniswahrheit, der Arbeitnehmer hingegen auf das Verbot, sein weiteres Fortkommen ungerechtfertigt zu erschweren. Welcher Seite aber ist der Vorzug zu geben? Das Hessische Landesarbeitsgericht hatte in einer aktuellen Entscheidung darüber zu befinden, ob mehrjährige krankheitsbedingte Ausfallzeiten eines Arbeitnehmers in ein Arbeitszeugnis aufgenommen werden dürfen (LAG Hessen, Urteil v. 02.02.2015 - 16 Sa 1387/14).

Der Fall:

Der beklagte Arbeitgeber betreibt ein Internetunternehmen. Die mit einem GdB von 50 schwerbehinderte Klägerin war vom 1. Januar 2007 bis zum 15. März 2014 als Bilanzbuchhalterin bei dem Arbeitgeber beschäftigt. Seit dem 27. Juli 2009 bis zur Beendigung des Arbeitsverhältnisses war die Arbeitnehmerin durchgehend arbeitsunfähig krank.

Mit ihrer beim Arbeitsgericht eingegangenen Klage hat die Arbeitnehmerin die ersatzlose Streichung des letzten Satzes des zweiten Absatzes ihres Arbeitszeugnisses begehrt, der lautete: „Während dieser Beschäftigungszeit war Frau R. vom 1. August 2008 bis heute arbeitsunfähig erkrankt.“

Das Arbeitsgericht Offenbach hat in der 1. Instanz der Zeugnisberichtigungsklage stattgegeben, weil die Klägerin nicht bereits seit 1. August 2008, sondern erst seit dem 27. Juli 2009 durchgehend arbeitsunfähig erkrankt war.

Der Arbeitgeber ist der Auffassung, die lange, ununterbrochene, bis zum Ausscheiden der Arbeitnehmerin aus dem Arbeitsverhältnis andauernde Arbeitsunfähigkeit sei aus haftungsrechtlichen Gründen in dem Zeugnis anzugeben, da die Klägerin während dieser Zeit keine Berufserfahrung gewonnen habe ...

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