Dashcam-Videos nach 30 Sekunden überschrieben: Verwertung durch LG Traunstein im Zivilprozess

von Alexander Gratz
actioncams / YouTube

Zwischen dem von der Klägerin gehaltenen Pkw und dem von der Beklagten geführten Bus kam es in einem Kreuzungsbereich zu einem Zusammenstoß. Im Bus war eine Kamera eingebaut, die Videos vom Verkehrsgeschehen aufzeichnete und diese nach 30 Sekunden wieder überschrieb. Nur im Fall einer von der Kamera erkannten Kollision wurde das gefertigte Video (15 Sekunden vor und 15 Sekunden nach Auslösung) gespeichert. Das LG Traunstein hat im Schadensersatzprozess das bei der Kollision aufgezeichnete Video als Beweis verwertet, auch da der Eingriff in das Recht auf informationelle Selbstbestimmung anderer Verkehrsteilnehmer gering gehalten wurde (Urteil vom 01.07.2016, Az. 3 O 1200/15).

c. Nach Auffassung des Gerichtes sind die Kameraaufnahmen im vorliegenden Fall auch beweisrechtlich verwertbar. Die Zulässigkeit von sog. “Dashcam - Aufzeichnungen” wird in der Rechtsprechung und Literatur kritisch und nicht einheitlich gesehen. Soweit ersichtlich geht derzeit die überwiegende Rechtsprechung (vgl z.B.: LG Heilbronn NJW-RR 2015, 1019) von einer Unverwertbarkeit derartiger Aufnahmen aus. Als entscheidende Argumente werden hierbei Verstöße gegen das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung nach Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art 1 Abs.1 GG sowie gegen § 6 b Abs. 1 Nr. 3 BDSG und § 22 Satz 1 KUG angeführt. Hierbei werden vor allem im Rahmen der Einschränkbarkeit des Grundrechtes auf informationelle Selbstbestimmung konkurrierende Grundrechte Dritter diskutiert sowie, dass im Rahmen der Abwägung der wider- streitenden Interessen auf Seiten des Verwenders der Kamera das Rechtsstaatsprinzip nach Art. 20 Abs. 3 GG zu berücksichtigen sei ...

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