LG Saarbrücken zu unbrauchbarer Restwertermittlung: Kfz-Sachverständiger haftet dem Versicherer

von Alexander Gratz
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Der Geschädigte eines Verkehrsunfalls, für den die Klägerin einstandspflichtig war, beauftragte die Beklagte mit der Erstellung eines Kfz-Schadengutachtens. Er ermittelte Reparaturkosten von 12.297,05 € netto, einen Wiederbeschaffungswert von 11.200,- € und einen Restwert inkl. MwSt. von 150,- €. Auf dieser Grundlage wurde der Schaden reguliert, nachdem der Geschädigte das Fahrzeug zu dem angegebenen Restwert veräußert und mögliche Schadensersatzansprüche gegenüber der Beklagten an die Klägerin abgetreten hatte. Die Klägerin stellte dann fest, dass der Restwert auf dem regionalen Markt in Wahrheit 3.500,- € betragen hatte und nimmt die Beklagte auf die Differenz als Schadensersatz in Anspruch. Laut LG Saarbrücken zu Recht: Der Versicherer sei in den Schutzbereich des Gutachtervertrages einbezogen. Dahinstehen könne, ob der Verzicht auf die Einholung von Restwertangeboten auf dem regionalen Markt schon eine Pflichtverletzung darstelle, da auch bei einer ausschließlich überregionalen Abfrage einer Restwertbörse der ermittelte Wert von 150,- € offensichtlich unrichtig sei. Da der Geschädigte beim Verkauf des Unfallfahrzeugs und der Regulierung den vom Sachverständigen errechneten Restwertbetrag zugrunde legen durfte, treffe die Klägerin auch kein Mitverschulden, wenn sie den daraus errechneten Schadensbetrag reguliert (LG Saarbrücken, Urteil vom 18.03.2016 - 13 S 171/15).

1. Auf die Berufung der Klägerin wird das Urteil des Amtsgerichts Lebach vom 25.09.2015 – 13 C 572/14 (10) – abgeändert und die Beklagte wird verurteilt, an die Klägerin 3.350,- € nebst Zinsen in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz seit dem 14.11.2014 zu zahlen.

2. Die Kosten des Rechtsstreits trägt die Beklagte mit Ausnahme der Kosten, die durch die Verweisung des Rechtsstreits in 1. Instanz vom Amtsgericht Bad Schwalbach an das Amtsgericht Lebach entstanden sind.

3. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar.

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