Tankstellen-Fall

A. Sachverhalt

Die Mitangeklagten kamen in den Abendstunden zu der für den Überfall ausersehenen Tankstelle. Sie war nicht besetzt. Deshalb gingen die Mitangeklagten zu dem im Tankstellenbereich liegenden Wohnhaus. Vor der Haustür zogen sie die Strumpfmasken auf. Dann läutete der Mitangeklagte K. Er hatte die mitgeführte Pistole in der Hand. Die Mitangeklagten nahmen an, dass auf ihr Läuten der Tankwart, der Inhaber der Tankstelle oder eine andere Person erscheinen werde. Sogleich bei ihrem Erscheinen sollte die öffnende Person mit der Pistole bedroht, gefesselt und zur Ermöglichung und Duldung der Wegnahme genötigt werden. Auf das Läuten kam niemand. Auch das Klopfen an mehreren Fenstern blieb ohne Erfolg. Die Mitangeklagten gaben die Verwirklichung ihres Vorhabens auf, weil aus dem gegenüberliegenden Haus eine Frau heraussah und „sie glaubten, diese Frau könne sie entdecken“.

B. Worum geht es?

Da die von den Mitangeklagten ins Auge gefasste Tat, ein besonders schwerer Raub nach §§ 249 I, 250 II Nr. 1 StGB, nicht vollendet wurde, kommt nur eine Strafbarkeit wegen Versuchs in Betracht; bei Verbrechen (zu denen der Raub zählt) ist der Versuch stets strafbar (§§ 23 I, 12 I StGB).

Nach § 22 StGB versucht eine Straftat, wer nach seiner Vorstellung von der Tat zur Verwirklichung des Tatbestandes unmittelbar ansetzt. Es bedarf also eines Tatentschlusses („Vorstellung von der Tat“), der bei den Mitangeklagten vorlag, und eines objektiven Elements, dem „unmittelbaren Ansetzen“, das auf der Grundlage der Vorstellung des Täters zu bestimmen ist. Es geht hier um die Abgrenzung zwischen (strafloser) Vorbereitung vom (strafbaren) Versuch.

Bekanntlich ist die Frage, nach welchen Kriterien diese Abgrenzung vorzunehmen ist, in der Strafrechtswissenschaft umstritten ...

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