Bilanzierung von Reverse Factoring – nicht nur Finance 7.0

von Robin Mujkanovic

Factoring ist ein seit Jahrzehnten beliebtes Instrument zur Refinanzierung von Forderungen. Traditionell „verkauft“ dabei der Gläubiger von Lieferforderungen (Lieferant) diese an ein Factoringinstitut oder eine Bank (Factor) zu einem Preis unterhalb des Nominalbetrags. Der Lieferant erhält gegen den Abschlag einen schnellen Liquiditätszufluss. Rechtlich geht dabei das Eigentum an den Forderungen auf den Factor über. Der Übergang kann als offene oder stille Zession erfolgen, d.h. der Forderungsschuldner (Kunde) erfährt von der Forderungsabtretung oder auch nicht. Neuerdings findet sich daneben ein sogenanntes Reverse Factoring, d.h. ein umgekehrtes Factoring.

Als wesentlicher Unterschied des umgekehrten Factorings zum traditionellen Factoring, bei dem sich der Lieferant einen Factor sucht, der die bestehenden Forderungen übernimmt, initiiert beim umgekehrten Factoring der Kunde, d.h. der Forderungsschuldner, das Factoring. Der Vorteil für den Kunden kann in einem verlängerten Zahlungsziel liegen, das ihm der Factor verschafft. Zudem kann es zur Vereinbarungen von Zinszahlungen mit dem Forderungsschuldner bzw. einem Einredeverzicht kommen.

Hat der Factor etwa eine vertiefte Bonitätsprüfung bzw. ein Rating des Kunden vorgenommen, verringert sich gegenüber dem traditionellen Ankauf eines Bündels von Forderungen vom Lieferanten mit unterschiedlichen Schuldnern das Risiko des Factors und in der Folge ist die Gewährung eines geringeren Abschlags vom Nominalwert denkbar, was die Finanzierung günstiger gestaltet. Es finden sich auch Verbriefungsmodelle, bei denen ein Finanzinstitut Forderungen eines Schuldners von verschiedenen Gläubigern einsammelt und diese wiederum im Rahmen eines Asset Based Finance verbrieft.

Beim traditionellen Verkauf der bestehenden Forderungen kommt es für die handelsrechtliche Bilanzierung beim Lieferanten entscheidend darauf an, wer wirtschaftlicher Eigentümer der Forderungen ist (§ 246 Abs ...

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