beA – (m)ein erster Eindruck

von Andreas Schwartmann

Seit heute ist also das „besondere elektronische Anwaltspostfach“ (beA) für alle in Deutschland zugelassenen Anwälte erreichbar und nutzbar. Was man dafür tun muss, um es nutzen zu können, habe ich andernorts ausführlich beschrieben.

Mein erster Eindruck, nachdem ich mich einige Zeit mit der beA-Oberfläche beschäftigt habe: Ich bin sehr enttäuscht. Es mag sein, dass die lange Wartezeit eine besondere Erwartungshaltung bei mir erzeugt hat. Aber die Software ist leider sehr schwerfällig und unausgereift. Dass ich eine Nachricht nicht mit Doppelklick öffnen kann, sondern oben erst auf „Öffnen“ gehen muss, ist nicht zeitgemäß. Dass beim Beantworten einer Nachricht der Originaltext nicht als Zitat gesetzt wird, ist ebenfalls unverständlich. Beim Export einer Nachricht wird keine einzelne PDF-Datei erzeugt – das wäre ja zu einfach. Nein – jede Seite generiert eine eigene HTML-Datei und dann wird alles in eine ZIP-Datei gepackt. Warum einfach, wenn es auch umständlich geht?

Dass ich mit meiner beA-Karte nicht signieren kann, weil die Signaturfunktion noch „aktiviert“ werden muss und ich deshalb auf meine bisherige qualifizierte Signaturkarte (ebenfalls von der BNotK) zurückgreifen muss, mag ein Einzelfall sein. Aber das wirft die Frage auch, weshalb ich überhaupt eine eigene, teure beA-Karte benötigte, denn die „alte“ Karte, die ich bisher fürs EGVP verwendet habe, kann ich auch als Sicherheitstoken für den Zugang zum beA verwenden. Das hätte man anders lösen können. Preiswerter. Honi soit qui mal y pense.

Nutzen wird das beA wohl in den nächsten 13 Monaten kaum ein Kollege, denn dazu müsste er ja erst davon ausgehen können, dass sein anwaltliches Gegenüber eingehende beA-Nachrichten rechtsverbindlich gegen sich gelten lassen muss. Also heißt es: vorher nachfragen. In der Zeit, die man für solche Recherchen aufbringt, kann man das Schreiben dann auch direkt faxen ...

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