Erben kraft verlorenen Testaments

von Tobias Goldkamp

Ist ein Testament nicht mehr auffindbar, gilt die darin angeordnete Erbfolge trotzdem – es sei denn, der Erblasser hat es willentlich vernichtet.

Gehen formgültig errichtete letztwillige Verfügungen verloren, so bleiben sie wirksam.

Dass ein nicht auffindbares Testament einst existierte und formgültig vom Erblasser errichtet wurde, muss derjenige beweisen, der sich auf dieses Testament berufen will, also der testamentarische Erbe oder Vermächtnisnehmer.

Der Beweisbelastete muss nachweisen, dass der Erbe das Testament errichtete, dass die Formvorschriften eingehalten wurden – der Erbe also das Testament handschriftlich schrieb und unterschrieb – und welchen Inhalt das Testament hat.

In der Regel wird der Beweis durch Vorlage des Originals geführt. Es ist allerdings auch möglich, den Beweis durch Vorlage einer Kopie und Zeugenaussagen oder sogar nur mit Zeugenaussagen zu führen.

Ein Widerruf liegt nur vor, wenn der Erblasser die Verfügung willentlich vernichtet hat. Dies muss im Streitfall derjenige beweisen, der ein Interesse an dem Widerruf hat – also der gesetzliche Erbe.

Das sagt die Rechtsprechung:

  • „Nach allgemeiner Ansicht berührt es die Wirksamkeit eines Testaments nicht, wenn die Urkunde ohne Willen und Zutun des Erblassers vernichtet worden, verlorengegangen oder sonst nicht auffindbar ist (BayObLG FamRZ 1986, 1043/1044 m. w. Nachw.). In einem solchen Fall können Errichtung und Inhalt des Testaments mit allen zulässigen Beweismitteln bewiesen werden (BayObLG aaO und Rpfleger 1985, 194, jeweils m. w. Nachw.), wobei an den Nachweis strenge Anforderungen zu stellen sind (Palandt/Edenhofer BGB 49. Aufl. § 2255 Anm. 4 c).“ (Bayerisches Oberstes Landesgericht, Beschluss vom 15. Mai 1990 – BReg 1 a Z 15/90 –, Rn ...
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