Eine Jury, 4 Jahre Haft, und die Krawatte sitzt

FU - Washington. Wenn man einen strafrechtlichen Jury Trial im Superior Court in Washington, DC, besucht, stellt man sich Folgendes vor: Ein Richter auf der er­höh­ten Richterbank, eine Jury, der Staatsanwalt und der Angeklagte angekettet und in Orange gekleidet.

Doch anders als erwartet, trägt der Defendant keine Handschellen und keine Ge­fäng­niskleidung, sondern einen schicken Anzug. Der Angeklagte soll näm­lich nicht wegen eines ungepflegten Auftretens vorverurteilt werden!

Denn auch in den USA gilt die Unschuldsvermutung bis zum Schuldbeweis. Da­her achtet das Gericht bis auf das kleinste Detail darauf, dass der An­ge­klag­te or­dent­lich gekleidet ist. So lässt der Richter die Jury aus 14 Per­so­nen den Ge­richts­saal nicht be­tre­ten, bis der Angeklagte eine Krawatte anlegt.

Am ersten Tag des Jury Trials muss die Jury einen Eid leisten. Ihr wird aus­führ­lich er­klärt, dass nicht das Gericht, sondern die Jury über die Schuld oder Un­schuld des An­geklagten nach bestem Wissen und Gewissen entscheidet und dieser als un­schul­dig gilt, bis die Schuld beyond a reasonable Doubt fest­ge­stellt ist. Die Staats­an­waltschaft trägt dafür die vollständige Beweislast.

Die Richterin informiert die Jury auch, dass lediglich 12 Juroren den Schuld­spruch, Ver­dict, erlassen werden. Am Verfahrensende werden zufällig zwei Plät­ze der Ju­roren ausgewählt, die nicht an den Deliberations mitwirken dür­fen. Das Verdikt muss immer unanimous sein.

Nach der Einführung der Jury durch den Richter ist es nicht ungewöhnlich, dass die Sitzung unterbrochen wird. Zum Erstaunen der Zuschauer kann das Gericht die Verhandlung unterbrechen, um andere auf den­sel­ben Tag ter­mi­nier­te Prozesse schnell abzuhandeln ...

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