Wahlkreisreform in UK: die Neuvermessung des Mehrheitswahlrechts

Wenn Nazar Lodhi und Alistair Stewart von Chalvey nach Windsor fahren möchten, haben sie es nicht weit. Mit dem Fahrrad sind es keine zehn Minuten – unter der Autobahn M4 durch, über einen Seitenarm der Themse, schon steht man vor dem Golfplatz des Internats Eton. Ganz in der Nähe, in Schloss Windsor, verbringt die Queen ihre Wochenenden, und ein paar Meilen südlich, auf der Rennbahn in Ascot, setzt sie womöglich auch mal das ein oder andere Pfund auf ein Pferd. Eine feine Gegend.

Lodhi und Stewart kann das feine Windsor gestohlen bleiben – zumindest politisch. Sie wollen verhindern, dass Chalvey, ein von Einwanderern geprägtes Viertel des Städtchens Slough im Westen von London, ab der nächsten Unterhauswahl dem Wahlkreis Windsor zugeschlagen wird. “Nach Slough haben die Leute in Windsor früher ihre Wäsche gebracht”, sagt Stewart.

Zusammen mit David Knibbs, einem älteren Herrn, der sich selbst einen “interessierten Bürger” nennt, sind der Geschäftsmann Lodhi und der Vikar Stewart deshalb an diesem Montagmorgen ins 65 Kilometer entfernte Oxford aufgebrochen. Im Ratssaal der Stadt hat sich die englische Wahlkreiskommission mit Landkarten, Videokamera und Tontechniker aufgebaut und lädt zur öffentlichen Anhörung. Sie will wissen, was die Bürgerinnen und Bürger von ihrem Vorschlag halten, die britische Demokratie gründlich neu zu vermessen. Wie die 242.500 Quadratkilometer Vereinigtes Königreich in constituencies aufgeteilt werden, ist eine der wichtigsten Stellschrauben des Mehrheitswahlsrechts. Die aktuelle, sechste Wahlkreisreform nach 1944 ist besonders folgenreich und politisch umkämpft: Das Unterhaus soll verkleinert werden, außerdem muss die Kommission schärfer als bisher darauf achten, dass die Wahlkreise gleich groß ausfallen. Vor allem hat sie die schwierige Aufgabe, für den fairen Ausgang eines Stücks zu sorgen, in dem fast alle Protagonisten parteitaktisch motiviert sind ...

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