Tantieme: Steuerliche Angemessenheits-Regelungen sind dringend reformbedürftig

von Christian Herold

Ich hatte bereits vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass ich die steuerliche Prüfung der Angemessenheit von Gehältern der GmbH-Gesellschafter-Geschäftsführer für dringend reformbedürftig halte (vgl. „Abzug gewerbesteuerlicher Verlustvorträge – falsches Verständnis der Unternehmensidentität“). Diese Kritik möchte ich heute erneuern. Die noch immer gültigen Grundsätze zur Angemessenheitsprüfung sind nun 22 Jahre alt (vgl. BFH 05.10.1994, I R 50/94), werden aber nach wie vor angewandt, so also zum einen die 50-Prozent-Grenze (Tantieme darf nicht mehr als 50 Prozent des Jahresüberschusses betragen) als auch zum anderen die 75:25-Prozent-Regelung (Verhältnis Festgehalt zur Tantieme), auch wenn letztere zuletzt aufgeweicht worden ist. Nach dem deutschen Verständnis dürften die Gesellschafter-Geschäftsführer von einigen der erfolgreichsten Digitalkonzerne der Welt keine Tantieme erhalten.

Der Grund: Sie steigern zwar den Wert ihres Unternehmens in zum Teil astronomische Höhen (WhatsApp wurde für 19 Mrd. US-Dollar an Facebook verkauft), erzielen aber über einen längeren Zeitraum keine Gewinne. Auch Jeff Bezos, der Gründer vom Amazon, hätte beim I. Senat des BFH lange Zeit keine Gnade gefunden. Oder Travis Kalanick, der Gründer von Uber ...

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