Erfahrungsbericht: Motions Hearing im US-Gericht

KS - Washington. Wer einen Termin beim amerikanischen Gericht zum ersten Mal besucht, der erwartet strenge Richter, die die Rechtsanwälte der Parteien während der Vorträge immer wieder barsch unterbrechen und unangenehme Fragen stellen. Meist wirkt die Befragung eher als Angriff und bringt den ein oder anderen Rechtsanwalt in Bedrängnis. Wie die Richter voraussichtlich über den Fall entscheiden werden, lassen sie hierbei nur höchst selten durchblicken. Ins­gesamt wirken die Gerichtsverhandlungen eher streng und steif.

Ein ganz anderer Eindruck entstand nun bei einem Besuch des United States Dis­strict Court for the District of Maryland in Greenbelt. Das Gericht, das nach etwa 30 Minuten Autofahrt von der Hauptstadt aus zu erreichen ist, ist ein neueres Ge­bäu­de, ohne jedoch die typischen und prunkvollen Holzvertäfelungen missen zu las­sen. Die obligatorische Sicherheitskontrolle fiel weniger umfangreich aus als beim Court of Appeals for the Federal Circuit beim Weißen Haus in Wa­sh­ing­ton, DC. Die Einweisung der Gerichtsdienerin, gekleidet in einem farbenfrohen Ober­teil, enthielt die üblichen Hinweise auf das Handy-Verbot und die Ankün­di­gung des Er­schei­nens des Gerichts.

Dem Motions Hearing lag ein Rechtsstreit zugrunde, bei dem es um eine miss­glückte Auslandsinvestition im Rahmen des EB5-Visums-Programms ging. Rechtlich ging es hauptsächlich - wie so oft - um die Frage, welches Recht an­wend­bar ist.

Das Hearing begann mit der Frage der jungen und sehr freundlich wirkenden Richterin, wie denn die Namen der Parteien richtig ausgesprochen werden. Es folgten die Vorträge der Rechtsanwälte. Die Richterin stellte Fragen, ließ die Rechts­anwälte aber stets ausreden. Sie unterbrach sogar sich selbst, wenn sie merkte, dass sich die vortragenden Rechtsanwälte mit den beisitzenden Rechtsanwälten austauschen wollten ...

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