Die Drogenbeauftragte und der Jugendschutz: Kontraproduktive Verschärfungsvorschläge

von Felix Hilgert

Wenn es nach der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), geht, sollen Spiele mit hohem „Suchtpotenzial“ eine höhere Alterskennzeichnung bekommen. In einem Interview mit der Funke Mediengruppe fordert sie, insbesondere Belohnungs- und Bestrafungsmechanismen von Onlinespielen künftig bei den Alterseinstufungen zu berücksichtigen. Pünktlich zum heutigen Auftakt der Jahrestagung der Drogenbeauftragten sorgt sie damit für wohl kalkulierte Medienpräsenz.

Allerdings verkennt Mortler die Funktion der Alterskennzeichen im System des deutschen Jugendschutzes. Die von ihr vorgeschlagene Verschärfung ist nicht nur unnötig, sondern sogar kontraproduktiv, weil sie das etablierte und bewährte System der Altersfreigaben verwässern und Eltern die Auswahl altersgerechter Computerspiele erschweren würde.

Das bewährte System der Alterskennzeichen

Um die Brisanz der Forderung zu verstehen, muss man zunächst die Grundlage der Spielekennzeichnungen betrachten. Das Jugendschutzgesetz regelt, dass Spiele, die geeignet sind, die Entwicklung von Minderjährigen zu beeinträchtigen, für die betroffenen Altersstufen nicht freigegeben werden dürfen. Medien ohne jugendschutzrelevante Inhalte erhalten folglich eine Freigabe ohne Altersbeschränkung, andere Titel können eine Freigabe ab 6, 12, oder 16 Jahren erhalten. Medien „ohne Jugendfreigabe“ dürfen nur an Volljährige verkauft werden. Die Freigabe richtet sich nach den ältesten Spielern der betroffenen Gruppe. So darf ein für 13-Jährige möglicherweise beeinträchtigendes Spiel erst ab 16 Jahren freigegeben werden.

Die Freigabe sagt nichts darüber aus, ob ein Spiel für die jeweilige Altersgruppe verständlich oder vom Schwierigkeitsgrad geeignet ist. „Entwicklungsbeeinträchtigend“ sind Inhalte, die geeignet sind, das körperliche, geistige oder seelische Wohl Minderjähriger zu beeinträchtigen ...

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