Rezension: Ruanda – Leben und Neuaufbau nach dem Völkermord.

von Christian Wickert

In Kooperation mit dem Surveillance Studies Blog veröffentlicht Criminologia Rezensionen von Bücher aus den Bereichen Überwachung & Kontrolle und Kriminologie.

Weitere Rezensionen finden sich hier.

Die Rezensionen wurden verfasst von Sebastian Scheerer, Hamburg

Titel: Ruanda. Leben und Neuaufbau nach dem Völkermord. Wie Geschichte gemacht und zur offiziellen Wahrheit wird. Herausgeber: Gerd Hankel Jahr: 2016 Verlag: zu Klampen ISBN: 978-3-86674-539-1

Die Regierung Ruandas hat sich mit Entschiedenheit und Ausdauer zwei Aufgaben verschrieben: der Arbeit an der Vergangenheit und der Gestaltung der Zukunft. Die Vergangenheit – das ist für sie der Völkermord des Jahres 1994. Dessen Aufarbeitung dient eine ausgeprägte Politik des Gedenkens in Verbindung mit einer flächendeckenden Sondergerichtsbarkeit. Die Zukunft – das ist die Transformation des einst bitterarmen und von Wellen kollektiver Gewalt gebeutelten Agrarlandes in ein respektiertes Mitglied der internationalen Gemeinschaft und eine prosperierende Dienstleistungsgesellschaft nach anglo-amerikanischem Vorbild, deren Mitglieder sich nur noch über ihre gemeinsame Staatsangehörigkeit und nicht mehr über Bezeichnungen wie „Hutu“, „Tutsi“ oder „Twa“ definieren.

Zuverlässige Aussagen über Erfolg oder Misserfolg beider Großvorhaben sind naturgemäß erst nach längerer Zeit möglich – vielleicht nach zwei oder drei Generationen. Dennoch hat sich jetzt schon – gerade einmal zwei Jahrzehnte nach dem Genozid – Bemerkenswertes getan. Was die Konfrontation mit der Vergangenheit angeht, so dominiert Thematisierung statt Verdrängung: neue Feiertage und zahlreiche Gedenkstätten halten die Erinnerung wach; der Diskurs über den Genozid ist omnipräsent ...

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