„Einladung zum Haftantritt heißt das – Richter, bist du neu hier?“

von Stephan Weinberger

„Kennt ihr den Unterschied zwischen Beamtenärschen und Holz?“, hört man einen älteren Mann durch die Gänge des Amtsgerichts Backnang schreien – die Antwort liefert er unmittelbar nach: „Holz arbeitet!. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Beteiligten, das wird keine einfache Verhandlung werden. Der 65-Jährige Mann sollte sich unter anderem wegen des „Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen“ vor dem Strafrichter verantworten. Der Angeklagte versuchte, die Sache zu beschleunigen, er wolle schnellstmöglich ins Gefängnis.

Zu Beginn übergab er der Protokollführerin einen kleinen Rosenzweig – eine versöhnliche Geste könnte man meinen. Doch wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, erklärte ein Blick aus dem Fenster, dass der Zweig nicht ganz legal in Besitz genommen wurde. Zum Richter gewandt sagte der Angeklagte: „Du kannst ein Urteil knacken lassen, Zeugen brauchen wir nicht, ich gestehe alles.“ Zuerst aber sollte die Verlesung der Anklageschrift folgen. Doch der Mann, der nach eigenen Angaben bereits seit 14 Jahren ohne festen Wohnsitz und zurzeit in einem Bauwagen lebt, greift auch hier in gewohnt direkter Art ein. Richter Eike Fesefeldt äußert daraufhin Bedenken zur Verhandlungsfähigkeit des Angeklagten und hält Rücksprache mit seinem Vorvorvorgänger Wolfgang Wünsch, der bereits seit mehreren Jahren am Oberlandesgericht Stuttgart tätig ist, und für den der Angeklagte kein Fremder ist.

Schließlich entschied sich Richter Fesefeldt, einen Alkoholtest beim Angeklagten durchzuführen. Eine Polizeistreife wurde zum Gericht beordert ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK