Krankmelden asozial?

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schrieb in einem Artikel vom 09.10.2016 zu der jüngsten Krankmeldungswelle bei Tui Fly im Kern, dass "kollektives Krankfeiern asozial" sei und sich Gewerkschaft und Betriebsrat doch bitteschön an die Regeln halten sollten.


Mal eben Menschen als asozial zu bezeichnen, die sich (jedenfalls formell) ordnungsgemäß als arbeitsunfähig erkrankt gemeldet und hierüber eine ärztliche Bescheinigung vorgelegt haben, finde ich schon starken Tobak. Wenn ich auch anheim stelle, dass es sich hier um eine auffällige Häufung handelt, steht dem Vorwurf des Krankfeierns zunächst mal der Beweis des ersten Anscheins des gelben Scheins entgegen und den gilt es auch zu entkräften, wenn man den Vorwurf erhebt, die betroffenen Arbeitnehmer seien in Wirklichkeit gar nicht krank. Ich persönlich kann als Nichtmediziner nicht beurteilen, ob die Leute alle arbeitsunfähig erkrankt sind oder nicht. Und selbst, wenn ich es so wäre, könnte ich es ebenfalls ohne Kenntnis sämtlicher Diagnosen und Krankenakten nicht. Übrigens kommen derartige Häufungen von Erkrankungen durchaus vor. Man denke nur an die Geschichte mit dem DB-Stellwerk in Mainz, die zu einer längeren Stilllegung des dazugehörigen Bahnhofs geführt hat. Und in einer Situation, wie sich sich die Mitarbeiter hier ausgesetzt sehen, kann die Motivation, sich wider die Vernunft mit Symptomen noch zur Arbeit zu schleppen, mit denen man das früher mal getan hat, tatsächlich auf dem Nullpunkt landen und meldet sich dann doch mal krank, wo man es sonst nicht getan hätte. Hinzu kommt eine plötzliche psychische Belastung, die auch tatsächlich vorübergehend zur Arbeitsunfähigkeit führen kann.

Der Artikel strotzt im Übrigen von arbeitsrechtlicher Unkenntnis, angefangen mit der Übernahme der bereits begrifflich nicht zutreffenden Formulierung vom "wilden Streik" von der Unternehmensleitung ...

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