Der juristische Konkurrenzkampf und seine psychischen Auswirkungen

Die besten Noten, das angesehenste Praktikum, die höchste Gunst der Lehrenden – nirgendwo ist Konkurrenzkampf so präsent wie im Jurastudium. Klar, leuchtende Berufsaussichten haben eben nun mal die Besten, aber wie viel Konkurrenz ist eigentlich gesund?

„Schauen Sie sich Ihre Nachbarn links und rechts von sich genau an. Nur einer von Ihnen dreien wird am Schluss erfolgreich sein“

Erster Sinn für Konkurrenzkampf wird bereits früh gesät: Die Erstsemester finden sich im Hörsaal ein und werden vom Professor mit den Worten „Schauen Sie sich Ihre Nachbarn links und rechts von sich genau an. Nur einer von Ihnen dreien wird am Schluss erfolgreich sein“ begrüßt.

In der Rechtswissenschaftlichen Bibliothek in den letzten Tagen vor Abgabe der Hauarbeiten: Bücher werden vor Kommilitonen versteckt, manchmal werden ganze Seiten herausgerissen oder gar angemalt, um ja den anderen die Chance auf eine erfolgreiche Arbeit zu verwehren. So ein Verhalten ist an den deutschen Universitäten mittlerweile zum Alltag geworden. Der Zusammenhalt unter den Studenten schwindet, die Konkurrenz wächst.

Die „Ellenbogenmentalität“ fängt bei banalen Sachen wie dem Verstecken von Büchern an und geht über heimliches Kopieren der Hausarbeiten anderer, wenn die gerade ihren Laptop unbeaufsichtigt lassen, zu Psychotricks, um andere während Klausuren zu verunsichern. Repetitoren raten in ihren Vorbereitungskursen vor dem Examen sogar gelegentlich zu letzterem. So sollte man, sobald eine Klausur ausgeteilt wurde, bereits sehr siegessicher und souverän wirken, auch wenn man keine Ahnung hat, wie man die Lösung angehen soll.

Falsche Antworten vor sich hinzumurmeln, erzielt ebenfalls den gewünschten Effekt. Die Verunsicherung der Kommilitonen hat zu Folge, dass diese schlechter abschneiden, wodurch die eigene Endnote noch einmal nach oben gewertet wird ...

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