Von Gesetzesbrechern und Tatleugnern

von Carsten R. Hoenig

Strafgefangene leben in einem besonderen Gewaltverhältnis. Kennzeichnend dafür ist die Möglichkeit des Staates, Grundrechte von Strafgefangenen einzuschränken.

In’s Auge springt sofort die Freiheit der Person nach Art. 2 Abs. 2 Satz 2 GG, die für einen Gefängnisinsassen massiv begrenzt wird.

Nicht ganz so regide funktioniert das bei Häftlingen mit dem Art. 5 Abs. 1 GG: So können Gefangene eigene – unzensierte! – Berichte in ihren eigenen Zeitungen veröffentlichen. Zum Beispiel auch in der größten deutschen Gefangenenzeitung, dem Lichtblick der JVA Tegel.

Ein solcher Gefangener, ein ehemaliger Redakteur des Lichtblicks, hat mich gebeten, einen Beitrag hier im Blog zu veröffentlichen. Da ich in seiner Geschichte auch eine Rolle übernommen habe, komme ich dieser Bitte hier nach.

Das – sein eigenes, unzensiertes(!) – Wort hat Timo F.:

Gesellschaftliche Wirklichkeitskonstruktionen beruhen auf Konsens – der jedoch nicht stringent ist; m.a.W.: Wo gelebt – getanzt – wird, leben welche am Rande, und tanzen aus der Reihe.

Abweichendes Verhalten kommt in allen Gesellschaften und Kulturen vor – als delinquent werden gewisse Prozentsätze dieser Abweichler kategorisiert. Diese “Gesetzmäßigkeit” trifft auch für das Totale System “Gefängnis” zu:

Es sollte niemanden verwundern, dass es in Justizvollzugsanstalten kriminelle Beamte gibt.

Eine nähere Beschäftigung mit dem Gefängnis erklärt jedoch die vehementen Verleugnungsbemühungen der Justiz: Der Knast besitzt kaum Macht – nur mittels Gewalt, zu der auch die Mauern zählen, fügen sich die Inhaftierten.

Erschütterungen des Systems, versucht die Justiz mit allen Mitteln zu verhindern: “Wir sind die Guten und tun nur Gutes!”

Dieser Absolutheitsanspruch ist nicht erst durch den auch von mir, Timo F ...

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