Rezension: Die Brutstätte des Terrors – Shams Ul-Haq

von Jessica Große Wortmann

Ein Journalist undercover im Flüchtlingsheim – so lautet der Untertitel dieses mehr als lesenswerten Buches. Es ist eine Recherche, eine Bestandsaufnahme und eine Warnung. Shams Ul-Haq weiss, wovon er spricht, vor 26 Jahren kam er selbst als Flüchtling nach Deutschland. Er erlebte eine distanzierte, aber nicht feindselige Stimmung, er erlebte Integration auf eine andere Art als heute. Er ist Journalist und Terrorismus-Experte geworden. Mit diesem Hintergrund konnte er Einblicke in Flüchtlingsheime in Deutschland, Österreich und der Schweiz nehmen, die kein Sozialarbeiter, kein Politiker und keine Kameras der Nachrichtensender je erhalten werden.

Die Bestandsaufnahme von Flüchtlingslagern in Deutschland, Österreich und der Schweiz fällt schlecht aus. Ul-Haq verbrachte hier undercover und mit falschen Identitäten Zeit. Allein die Tatsache, dass es keine Vernetzung der Erstaufnahmelager untereinander gibt und somit eine Überprüfung der Personalien faktisch unmöglich ist, lässt vermuten, wie einfach es ist, unter falschem Namen einzureisen. So war Shams Ul-Haq in Dresden als Hamid Mustafa registriert, in Berlin als Jamal Ramiri und unter wieder anderen Namen in Österreich und der Schweiz. Allein dieser Punkt stimmt nachdenklich, unter dem Aspekt der nicht von der Hand zu weisenden Terrorgefahr sollte doch der wichtigste Punkt – die Identität eines Menschen – ohne Zweifel feststehen. Letztlich ist dieser Umstand der mangelnden Vernetzung, basierend auf dem Unvermögen der einzelnen Behörden einen Austausch vorzunehmen, eine Einladung für alle Terrororganisationen Kämpfer, Schläfer und Anwerber auszusenden. Dass dies auch so zutrifft, beschreibt Ul-Haq im weiteren Verlauf des Buches.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die massive Überforderung in den Erstaufnahmelagern auf beiden Seiten. So musste sich Ul-Haq beispielsweise in der Schweiz zur Erheiterung der Grenzbeamten völlig entkleiden und einer Leibesvisitation unterziehen ...

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