“An der Einstellung meiner Mandantin hat sich nichts geändert”

von Holger Schmidt

Beate Zschäpe mit Anwalt Grasel (29.09.2016)

Sie hat etwas gesagt! Selbst!!

Was gestern im NSU-Prozess in München passierte, war vielen Medien eine Eilmeldung wert. Fast fünf Jahre nach dem Auffliegen der Terrorzelle und fast dreieinhalb Jahre nach Verhandlungsbeginn hat die Hauptangeklagte selbst mehr als einen Satz gesagt. Eine Wende im Prozess? Leider nein. Eine neue Erkenntnis? Auch nicht. Ein Budenzauber der Verteidigung? Schon eher. Aber ein  schlechter.

Die Erklärung war kurz, mein Kollege Tim Aßmann vom BR hat sie wie folgt mitgeschrieben:

“Es ist mir ein Anliegen mitzuteilen: In der damaligen Zeit identifizierte ich mich mit nationalsozialistischem Gedankengut. Während des Untertauchen wurde das Thema Überfremdung zunehmend unwichtiger. Heute habe ich dafür keine Sympathien mehr. Gewalt ist für mich kein Mittel zum Durchsetzung von Politik. Beurteile Menschen heute nicht nach Herkunft, ich beurteile auch meine eigenes Fehlverhalten – so wie ich es in bisherigen Stellungnahmen zum Ausdruck gebracht habe.” 

Die Nagelprobe folgte sofort: Sebastian Scharmer, Rechtsanwalt der Familie des ermordeten Mehmet Kubasik, fragte nach, ob denn Beate Zschäpe nun auch Fragen der Nebenkläger beantworten würde. Zschäpe-Anwalt Grasel entgegnete – wahrscheinlich unfreiwillig mehrdeutig – “an der Einstellung meiner Mandantin hat sich nichts geändert”.

Damit ist das Problem auf den Punkt gebracht: Die Form mag sich geändert haben, der Inhalt nicht. Beate Zschäpe versucht durchsichtig, das Unerklärbare zu erklären . Wie die Morde mit ihr, aber ohne sie geschehen konnte. Und sie macht mit ihren Erklärungsversuchen weder für sich und noch viel weniger für die Opfer etwas besser. Sie selbst scheint das alles allerdings ganz anders zu empfinden ...

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