Ordnungsamt konfisziert Spielzeugeisenbahn

von Stephan Weinberger

Der 45-jährige Obdachlose Reiner Schaad sitzt üblicherweise in Frankfurt an der Neuen Kräme mit einer Spielzeugeisenbahn und anderen Spielsachen. Daneben steht ein Becher für Münzen. Weil eine Sondernutzungserlaubnis fehlte, hatte das Ordnungsamt die Spielsachen eingezogen. Das formal nicht zu beanstandende Handeln der Verwaltung löste einen Sturm der Empörung aus. Die Politik bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung.

„Eisenbahn-Reiner“ ist in Frankfurt kein Unbekannter. Man trifft ihn täglich am Liebfrauenberg vor seiner Spielzeugsammlung. Schaad lebt bereits seit zwölf Jahren ohne festen Wohnsitz und hält sich in der Fußgängerzone nahe der Zeil auf. Auf einer Decke präsentiert Schaad seine Spielzeugwelt, für die sich nicht nur Kinder interessieren. Es finden sich neben Schlümpfen und Playmobil, Modellautos und Plastikblumen auch Eisenbahnen. Doch damit war es erstmal vorbei: Die Stadtpolizei konfiszierte die Spielzeugsammlung, weil hierfür keine Sondernutzungserlaubnis vorliegen würde.

Die Stadt Frankfurt rechtfertigte sich für das Vorgehen zuerst: Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) gibt an, man habe Schaad mehrfach ermahnt, dass er für seinen Miniaturenpark eine Erlaubnis zu beantragen habe. Diese Erlaubnis benötige grundsätzlich jeder, der in der Fußgängerzone nicht nur einen Becher für Kleingeld und ein Schildchen aufstellen will. „Es muss gleiches Recht für alle gelten“, so Frank. Andauernde Verstöße gegen geltende Vorschriften müssten auch geahndet werden.„Einer Ausnahme für Eisenbahn-Reiner folgt eine für Blumen-Jutta und wer weiß, wer dann noch alles kommt.“ Der öffentliche Druck stieg trotzdem weiter, das Handeln der Stadtpolizei wird als lächerlich und engstirnig angesehen. Unterstützer eröffneten die Facebook-Gruppe „Gemeinsam für Eisenbahnreiner„, um dem Obdachlosen zu helfen ...

Zum vollständigen Artikel

Cookies helfen bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung erklären Sie sich mit der Cookie-Setzung einverstanden. Mehr OK