Journalist darf Jäger als „Rabaukenjäger“ bezeichnen

von Stephan Weinberger

Das Oberlandesgericht Rostock hat den Nordkurier-Reporter Thomas Krause vom Vorwurf der Beleidigung freigesprochen. Ihm wurde zur Last gelegt, einen Jäger als „Rabauken-Jäger“ bezeichnet zu haben. Ausgangspunkt war die Berichterstattung über ein Foto, das in den sozialen Netzwerken für einen Aufschrei gesorgt hatte. Darauf zu sehen war ein Ueckermünder Jäger, der an der Anhängerkupplung seines Wagens ein zuvor angefahrenes Reh über eine Landstraße hinter sich her geschleift hatte. Die Vorinstanzen hatten die Bezeichnung noch als strafbar bewertet.

Ein Autofahrer hatte das Foto vom Pkw des Jägers aufgenommen und bei Facebook veröffentlicht. Erst einige Zeit danach wurde klar, dass der Jäger das Tier nicht erlegt hatte, sondern nur den Kadaver aus Sicherheitsgründen aus dem Straßenverkehr entfernen wollte. Der Jäger fühlte sich durch die Hetzjagd im Internet bedroht, erstatte Strafanzeige gegen den Redakteur wegen Beleidigung. Das Amtsgericht Pasewalk verurteilte Krause daraufhin im Mai 2015 zu einer Geldstrafe von 1000 Euro (20 Tagessätze). Im Berufungsverfahren am 5. Februar wurde das Pasewalker Urteil vom Landgericht Neubrandenburg bestätigt.

Das Verfahren hatte nicht nur auf Facebook, sondern auch bei Presseverbänden und Fachleuten aus der Justiz für Aufsehen gesorgt. Der Passauer Strafrechtsprofessor Holm Putzke begleitete den Fall, war auch bei Verhandlungen anwesend und verfasste eine Entscheidungsanmerkung dazu. In dieser stellte er heraus, warum es in dem Fall zu keiner Anklage hätte kommen dürfen. Putzke erklärte Jura-Studenten der Viadrina, wo er grobe Fehler in der Verurteilung eines Journalisten sieht. Somit fand der Fall auch Einzug in die Hörsäle. Wie Putzke in der Entscheidungsanmerkung darlegt, war zuerst auch die Staatsanwaltschaft nicht von einer Strafbarkeit des Reporters überzeugt: „Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg hatte zunächst das Verfahren eingestellt ...

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