Abwicklung nach Darlehenswiderruf: Eine Rechnung mit vielen Unbekannten?

Im Zuge der Umsetzung der Wohnimmobilienkreditrichtlinie hat der Gesetzgeber dem Widerruf von Darlehensverträgen einen deutlichen Riegel vorgeschoben: Immobiliardarlehen, die bis zum 10.06.2010 abgeschlossen wurden, ist mit dem Argument, die Widerrufsbelehrung sei an der einen oder anderen Stelle nicht ordnungsgemäß, nach dem 21.06.2016 keinesfalls mehr mit einem Widerruf beizukommen (siehe hierzu die Einträge von Herrn Albrecht von Loewenich vom 20.05.2016 und von Herrn Dr. Stephan Molls vom 22.06.2016). Für den Fall, in dem ein Verbraucher den Widerruf noch vor dem 21.06.2016 erklärt hat und der Widerruf wegen etwaiger Fehler in der Widerrufsbelehrung möglich gewesen sein sollte, stellt sich die Frage, welche Auswirkungen der Widerruf auf den Darlehensvertrag hat. Oftmals erhoffen sich Verbraucher durch einen Widerruf nicht nur die Loslösung vom Vertrag für die Zukunft, sondern auch, aufgrund des Widerrufs für die Vergangenheit Kapital zu schlagen.

Höhe eines etwaigen Nutzungsersatzanspruchs

Auf Verbraucherseite wird häufig die Ansicht vertreten, der Darlehensnehmer könne nach einem Widerruf eine Verzinsung der von ihm geleisteten Raten in Höhe von 5 Prozentpunkten über dem Basiszinssatz verlangen; dies entspricht dem allgemeinen Verzugszinssatz nach § 288 Abs. 1 S. 2 BGB. Dieser Ansatz geht zurück auf die Rechtsprechung des BGH, wonach eine widerlegbare Vermutung dafür besteht, dass Banken Nutzungen in Höhe des üblichen Verzugszinssatzes ziehen. Ungeachtet der Zweifelhaftigkeit dieser Prämisse unter Berücksichtigung des heutigen Zinsniveaus hat der BGH jedoch in zwei Entscheidungen aus 1998 und 2006 betont, dass diese Vermutung bei Immobiliardarlehen gerade nicht gilt ...

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