Rezension: Stern/Sachs, Europäische Grundrechte-Charta (GRCh) – Kommentar (C.H.Beck 2016)

von Prof. Dr. Meinhard Schröder, Universität Passau

Der von Klaus Stern und Michael Sachs herausgegebene Kommentar zur Europäischen Grundrechte-Charta tritt die Nachfolge des Kölner Gemeinschaftskommentars zur Europäischen Grundrechte-Charta an, der vor 10 Jahren von Klaus Stern und Peter J. Tettinger herausgegeben wurde und auf sehr positive Resonanz gestoßen ist (vgl. etwa Heinrich Amadeus Wolff, NJW 2006, S. 3335; Winfried Kluth, ZAR 2006, S. 376 f.). Seitdem ist viel passiert: Mit dem Vertrag von Lissabon ist die Charta im Jahr 2009 rechtsverbindlich geworden und wird seitdem auch vom Gerichtshof der Europäischen Union in seiner sich durchaus progressiv entwickelnden Rechtsprechung zu den Grundrechten zitiert. Während die „alte“ Charta auf der Regierungskonferenz von Nizza im Jahr 2000 noch von nur 15 Mitgliedstaaten proklamiert wurde, waren es bei Inkrafttreten des Vertrags von Lissabon schon 27. Kurzum: eine Neuauflage war fällig.

Der einführende, rechtsvergleichende Teil zu den „Grundlagen der gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen“, durch den sich die „Vorauflage“ von anderen Kommentaren abhob, ist ersatzlos entfallen, und damit auch ein großer Teil der internationalen Autoren. Der Kommentar nähert sich damit dem klassischen Format an, was man bedauern kann, da es interessant gewesen wäre, die Perspektive der neuen Mitgliedstaaten kennenzulernen, die zwar nicht an der Entstehung der Charta mitgewirkt haben, nun aber von ihr betroffen sind. Man wird allerdings anerkennen müssen, dass der durchschnittliche Leser von einem klassischen Kommentar mit naturgemäß begrenztem Umfang ohnehin nicht unbedingt einen umfassenden rechtsvergleichenden Teil erwartet; es lohnt sich unter diesen Umständen aber auf jeden Fall, den alten Kölner Gemeinschaftskommentar aufzubewahren. Punktuell sind die gemeinsamen Verfassungsüberlieferungen weiterhin in den Einzelkommentierungen berücksichtigt ...

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