Verspätung vor Gericht – Einspruch trotz Anruf verworfen

An den Universitäten lernen wir viel materielles Recht, viele Theorien, unendlich viele Streitigkeiten und Definitionen, die wir alle auswendig lernen müssen, obwohl sie später bei der Arbeit immer zum Nachschlagen zur Verfügung stehen. Wir beschäftigen uns mit abstrakten Problemen, die oft nicht von primärer Bedeutung bei unserer späteren praktischen Tätigkeit sind.

In dem Moment, in dem wir die Universitäten verlassen, womöglich in einer Kanzlei anfangen, Mandanten betreuen, kommen anderen Aspekten plötzlich eine weitaus größere Bedeutung zu.
Es geht um die Einhaltung von Fristen, das Beachten von Formalitäten. Die in der Klausur schnell festgestellte Unzulässigkeit der Klage führt zu einem hübschen Hilfsgutachten, in der Praxis kann das drastischere Folgen haben.
Dass auch das Einhalten von Formalitäten, so wie es uns in ZPO beigebracht wurde, nicht immer ausreicht, musste nun ein Anwalt am Amtsgericht Tiergarten erfahren.
Am Terminstag stieg der Anwalt mit seinem Mandanten um 8.30 Uhr in ein Taxi um zur Hauptverhandlung zu gelangen. Diese war für 9.15 Uhr angesetzt.
In einer Entfernung von 1,5 km zum Gericht geriet der PKW in einen Stau. Um 9.01 Uhr rief der Verteidiger bei der Geschäftsstelle des AG an und unterrichtete über den Stau, kündigte an, dass er 15 bis 30 Minuten zu spät kommen werde.
Letztlich erreichten er und sein Mandat den Gerichtssaal um 9.32 Uhr. Leider zwei Minuten zu spät. Das Amtsgericht hatte bereits in der Sache aufgerufen, einen Zeugen, sowie einen Sachverständigen entlassen, sowie den Einspruch des Mandanten nach § 74 Abs. 2 OwiG verworfen.
§ 74 Abs ...

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