Qualifikation von Tochterunternehmen nach IFRS 10 – Ein Bilanzierungsskandal?

von Robin Mujkanovic

Kürzlich war in der Tagespresse zu lesen, bei der Bastei Lübbe AG werde ein IFRS-Konzernabschluss geändert, weil die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG ihre Auffassung zur Einbeziehung von Tochterunternehmen geändert habe. Auf Bitte des Prüfers habe Bastei Lübbe sich entschlossen, den Konzernabschluss für das Geschäftsjahr 2015/2016 zu ändern. Wie kann das sein?

Nach den IFRS wie nach HGB unterliegen Beteiligungen an Tochterunternehmen im Konzernabschluss der Vollkonsolidierung. Dabei gibt es zwar Unterschiede zwischen HGB und IFRS im Detail. Die Grundmethodik unterscheidet sich jedoch nicht. Es wird ein Bild dargestellt, als seien Mutter- und Tochterunternehmen ein einziges Unternehmen. Hierfür wird bei Erwerb der Beteiligung an einem Tochterunternehmen so getan, als sei der Erwerb von Anteilen am Tochterunternehmen (share deal) ein Erwerb von Vermögen und Schulden des Tochterunternehmens (asset deal). In der Folgezeit werden Transaktionen zwischen Mutter- und Tochterunternehmen grundsätzlich eliminiert, weil sie aus Sicht des Konzerns Geschäfte mit sich selbst sind. Bei späterem Verkauf der Beteiligung am Tochterunternehmen kann ein Gewinn aus der sogenannten Entkonsolidierung entstehen. Nach IFRS gibt es eine Besonderheit, nach der bei Abgang eines Teils der Beteiligung am Tochterunternehmen die verbleibenden Anteile neu bewertet werden, sofern das Beteiligungsunternehmen seinen Status als Tochterunternehmen verliert. Daraus kann sich durch Aufwertung der verbleibenden Anteile ein Gewinn ergeben.

Für die Bilanzierung im Konzernabschluss kommt es also ganz entscheidend darauf an, ob die Beteiligung an einem anderen Unternehmen zur Qualifikation des anderen Unternehmens als Tochterunternehmen führt. Für die Betrachtung werden Rechte und Verpflichtungen im Hinblick auf das Beteiligungsunternehmen nicht nur des Mutterunternehmens, sondern auch die sämtlicher anderer Tochterunternehmen einbezogen ...

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