Sexting und die Folgen für digital natives

von Dr. Sebastian Ertel

In aller Munde ist derzeit ein noch nicht rechtskräftiger Beschluss des Familiengerichts am Amtsgericht Bad Hersfeld vom 22.07.2016 (Az.: F 361/16 EASO).

Um was geht es?

Eine geschiedene Ehe, 2 Kinder (Mädchen 10 und 15 Jahre). Das Aufenthaltsbestimmungsrecht liegt beim Vater. Beide Kinder besaßen ein bzw. zwei Smartphones. Ein Schulfreund des Vaters hatte von den Mädchen unter anderem Nacktfotos verlangt und sexuell anzügliche Nachrichten per WhatsApp versendet. Bis zum Auftreten des Jugendamtes wusste der Vater nichts von den Geschehnissen. Erst durch das Jugendamt wurden ihm die Vorkommnisse bekannt.

Aufgrund des Vorfalls beantragte die Mutter zunächst Übertragung des Aufenthaltsbestimmungsrechts und der elterlichen Sorge. Beide Anträge wurden später zurückgenommen.

Aufgrund dessen musste das Gericht in der Sache nicht entscheiden, erließ jedoch Auflagen gem. §§ 1666, 1666a BGB zur Abwehr einer in der Vergangenheit bereits aufgetretenen Gefahr, die auch zukünftig bestehen kann:

  • Ein internetfähiges mobiles Smart-Gerät (Smartphone oder Tablet bis maximal 12,9 Zoll Bildschirmdiagonale) pro Kind genügt,
  • WhatsApp sei von dem Smart-Gerät zu entfernen,
  • Jegliche Messenger-Apps, welche eine zwangsweise automatische Vernetzung des Nutzers mittels der eigenen sowie fremder im Gerät hinterlegter Mobiltelefonnummern zwingend vorsehen oder vorschreiben, sei von den Smart-Geräten der Kinder stetig fernzuhalten,
  • Monatlich ist ein Gespräch über den aktuellen Stand der Nutzung des Smartphones zu führen,
  • Alle drei Monate ist das Smart-Gerät in Augenschein zu nehmen und bezüglich dort installierter Apps sowie auf eventuell auftretende Ungereimtheiten und etwaige kindes-/jugendgefährdende Inhalte gemeinsam mit dem jeweiligen Kind durchzusehen.
  • Die Auflagen gelten bis 2018 für die ältere, bis 2021 für die jüngere Tochter ...
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