Drei-Zeugen-Testament und die Rechtskenntnisse eines Stationsarztes

Ingolf Schulz

Manch einer möchte erst dann sein Testament machen, wenn es fast zu spät ist.

Der Gesetzgeber hat jedoch vorgesorgt. Wer nahe dem Tod nicht mehr schreiben und weder Notar noch Bürgermeister herbeirufen kann, darf sein Testament von drei Zeugen beurkunden lassen, § 2250 Abs. 2 BGB. Pech hat der, der die gesetzlichen Voraussetzungen nicht kennt. So lehnte das Kammergericht Berlin am 29. Dezember 2015, Az. 6 W 93/15, ein wirksames Nottestament ab.

Die Patientin war blind und schwach und an Lungenkrebs erkrankt. Sie erklärte an einem Samstagmittag dem Stationsarzt, sie wolle unbedingt ihr Testament machen. Der Arzt kam mit einer Schwester ans Bett der Patientin und setze ein Schriftstück auf, in dem er feststellte, die Patientin befinde sich in einem „schlechten Allgemeinzustand“, sei aber „zeitlich, örtlich, zur Person und situativ orientiert“. Eine gute Freundin sollte Alleinerbin sein. Er und die Schwester unterzeichneten das Protokoll ...

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