Ideengeschichte des Privacy by Design – Teil 2: Brückenbauer zwischen Informatik und Recht

[IITR – 23.8.16] Mitte der 90er Jahre gab es auf technischer Basis zunächst nichts, was die Kernprinzipien des Datenschutzes funktional zufriedenstellend umgesetzt hätte. In Deutschland gab es zwar einen Maßnahmenkatalog, mit dem die Datenschutzbehörden bestimmte „technische und organisatorische Maßnahmen“ einfordern konnten. Da dieser jedoch nicht dem wissenschaftlichen Stand entsprechend aktualisiert und erweitert wurde, wie der Informatikhistoriker Jörg Pohle dokumentierte, verstand man den Datenschutz zunehmend als eine Angelegenheit, die man vornehmlich juristisch regeln konnte. Ähnlich war es zunächst auch in den Niederlanden. Doch das war kein Grund für John Borking, das technisch Gegebene einfach zu akzeptieren.

Das erste PET-System

1996 führte die niederländische Datenschutzbehörde ein Datenschutz-Audit in einer psychiatrischen Klinik durch und fand dabei schwere, aber unabsichtlich entstandene Fehler. Das Management war darüber nicht glücklich und stimmte mit den Datenschützern darüber ein, dass eine technische Lösung gefunden werden musste. Borking: „Wir verlangten ein IT-System, das die Datenschutz-Prinzipien aufnimmt. Die Frage war nur, wer das bauen kann.“

Auf dem Markt gab es keine Lösung. Aber es gab eine theoretische Basis von David Chaum. Mit dem Utrechter Firma SIAC, einer niederländischen Niederlassung von ICL, fand man einen Partner, der die Vorgaben bereits ein Jahr später umsetzte. Ein Vorgang, der bis heute nahezu unerhört ist.

Krankenhausinformationssystem als erstes Praxisbeispiel für Privacy by Design im Jahr 1997 (Quelle: Powerpoint-Folie des Vortrags über „Privacy by Design“ von John Borking).

Nach dem euphorischen Anfang passierte aber mangels leicht verfügbarer Techniken nicht mehr viel. „Wir waren der Zeit mindestens um 20 Jahre voraus“, sagt Borking heute, der eine so lange Durststrecke nicht erwartet hatte ...

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