Wie sieht ein Erbschein in Australien und Neuseeland aus?

von Bernhard Schmeilzl

Die Rechtssysteme der Commonwealth-Mitglieder Australien und Neuseeland (New Zealand) sind vom Common Law geprägt. Das Erbscheinsverfahren (Probate) in Australien und Neuseeland ist daher dem englischen Verfahren recht ähnlich, wenn auch nicht völlig identisch. Wegen der engen Verbundenheit zwischen diesen Ländern werden in Australien und Neuseeland in der Regel auch englische Nachlasszeugnisse (Grant of Probate bzw. Letter of Administration) anerkannt, wobei trotzdem ein offizielles Bestätigungsverfahren durchlaufen werden muss (“Reseal”). Dieses gegenseitige Anerkennung der Erbscheine des anderen Landes gilt für alle “jurisdictions being Her Majesty’s dominions“, ein Sammelbegriff für Länder, der nicht völlig deckungsgleich mit dem Commonwelath of Nations ist, aber eine sehr große Schnittmenge hat. Lange Rede kurzer Sinn, wer einen Grant of Probate oder Letter of Administration aus einem Commonwelath-Land besitzt, hat gute Chancen, in allen anderen Commonwealth-Ländern ein vereinfachtes Erbscheinsverfahren durchlaufen zu können (Resealing of a Foreign Grant).

Wie sieht aber nun ein Erbschein in Australien und in New Zealand aus?

Auch für den Fall, dass man wieder einmal die frohe Botschaft per eMail erhält, dass man von einem entfernten Verwandten aus Übersee geerbt hat (mehr hier), schadet es nicht zu wissen, wie ein echter Erbschein (genauer Nachlasszeugnis) aussieht. Jedenfalls nicht so: Beispiele für gefälschte Erbschaftsunterlagen

Hier die (natürlich anonymisierte) Kopie eines echten “Letter of Administration” des neuseeländischen Nachlassgerichts (Deckblatt und Erbschein selbst). Der Erblasser war zwar Deutscher, hatte aber in Neuseeland Geldanlagen und ein kleines Grundstück. Er hinterließ kein Testament (Died Intestate). Deshalb mussten die Erben neben dem deutschen Erbschein auch einen New Zewaland “Letter of Administration” beantragen ...

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